DIE ZUKUNFT DER MEDIZIN IST WEIBLICH!

DIE ZUKUNFT DER MEDIZIN IST WEIBLICH!

von Dr. Martina Obermeyer

Zahnärztinnen stellen heute den größten Anteil unserer Berufsgruppe dar und arbeiten zwangsläufig anders als die meisten männlichen Kollegen - doch nicht weniger erfolgreich. Was genau ist zu beachten, wenn man als Frau eine Praxis erfolgreich leiten und gleichzeitig ein erfülltes Privatleben führen möchte?

In nahezu allen Bereichen der Medizin sind Frauen sehr stark im Kommen – an einigen Universitäten werden zum Teil Männerquoten eingeführt, wie z. B. an der zahnmedizinischen Fakultät in Ulm. Ob in klassischen Frauerdomänen we der Physiotherapie oder in neuen Bereichen wie chirurgischen Praxen, Frauen brauchen andere Praxiskonzepte.
Die Zahnmedizin ist bei den Frauen ganz weit vorne.

Das mag auch der Grund sein für Spannungen oder Unverständnis in Praxisgemeinschaften mit Männern und Frauen, die sich aus unterschiedlichen Bedürfnissen und Schwerpunkten ableiten. Frauen praktizieren einen anderen Führungsstil, leben andere Konzepte, investieren überlegter und vorsichtiger, verstehen unter Teamgeist oft etwas anderes als Männer, und brauchen auf Grund ihrer stärkeren sozialen Ausrichtung konkret machbare, äußere Rahmenbedingungen.

DAS ENTRÉE

Es beginnt bereits bei der innenarchitektonischen Gestaltung der Praxis: unmittelbar beim Betreten der Räumlichkeiten ist sofort spürbar, ob hier eine Frau oder ein Mann als Praxischef federführend ist. Damen legen in allen Bereichen großen Wert auf die Gestaltung der Räume, ob im Beruf oder privat. In Farben, Materialien und Formen repräsentieren sie ihre Persönlichkeit, Weiterführendes wie Dekoration, Blumenschmuck und saisonale Accessoires werden in der Regel mit großer

Sorgfalt und Liebe zum Detail installiert. In Männerpraxen findet man verstärkt klassisch-sachliche Materialien wie Chrom und Glas, Frauen tendieren zu Holz und Wohlfühlambiente. Vom Kinderspielzeug im Wartezimmer bis zur Grünpflanzenpflege wird in Damenpraxen sehr stark auf diese Details geachtet, während Männer oft unter Vernachlässigung solcher „Kleinigkeiten“ ihren Schwerpunkt auf die technische Ausstattung der Praxis legen.

Ich bin seit fast 30 Jahren Zahnārztin und in all diesen Jahren ist noch nie ein Patient vor Begeisterung über das neue Röntgengerät võllig ausgeflippt, neue Farbe und Bodenbelag im Wartezimmer, sowie Bilder, Schränke und Lampen wurden hingegen sehr wohl positiv bemerkt. Von mānnlichen Patienten im Übrigen genauso wie von der Damenwelt.

FRAUEN FÜHREN ANDERS – MÄNNER AUCH!

Die Geschlechter pflegen trotz gleicher fachlicher Ausbildung meist einen unterschiedlichen Führungsstil. Männer tendieren zu hierarchischen Teamstrukturen, Frauen eher zu demokratischen. In Damenpraxen werden flache Hierarchien gelebt. Das bedeutet, es gibt keinen Platzhirsch, der autoritär vieles von oben anordnet, sondern abgesehen von einigen klaren „Chef-Entscheidungen" wird im Team vieles diskutiert und gemeinsam entschieden. Alle bewegen sich auf einer ähnlichen Ebene. Das birgt die Gefahr für Chefinnen, die schlecht „nein" sagen kõnnen, dass eine dominante Assistentin vielleicht sehr viel Einfluss nehmen und im Verhältnis zu ihrer Position eine zu starke Machtposition entwickeln kann.

Hier gilt es, sich rechtzeitig abzugrenzen, um klar zu machen, wessen Praxis das im Grunde genommen ist. Besonders, wenn man mit Arbeit stark überlastet ist und hochfokussiert im Sprechzimmer behandelt, ist die Erleichterung über das selbstständige Agieren der Mitarbeiterinnen oft so groß, dass dieser Prozess schleichend stattfindet und man sich irgendwann vor einem hierarchischen Missverhältnis wiederfindet. In Praxen mit einer gemischten Führungsriege aus Männern und Frauen kann man sich die unterschiedliche Grundveranlagung zunutze machen. Die Herren kümmern sich oft um Computer, Technik, Gerätewartung, DedGV odder QW, während die Damen das Teamwork, die Urlaubsplanung, die „Herzensgespräche“ mit den Mitarbeiterinnen und ähnliche soziale Aufgaben unter sich haben. Solange diese Leistung von beiden respektiert und anenkannt wind ist das wundebar und in Ordnung Wenn aber einer von beiden einen wesentlichen höheren Zeitaufwand für seine Aufgaben benötigt und der andere der Meinung ist, das wäre sowieso nur Kleinkram, beginnt es schwierig zu werden.

Genauso peoblematisch kann es sich auswirken, wenn ein Chef bei den Mitarbeiterinnen der Hahn im Korb ist die Chefin von den Damen im Team als „Gleichrangige“ Kollegin behandelt wird. Hier gilt es sich klar zu werden, wie der Führungstil der gemischt geführten Praxis aussehen kann und was genau und für alle gilt.

DAS ZEITKONZEPT

Die wenigsten Frauen in Führungspositionen leben mit einem Mann zusammen, der ihnen den Haushalt so führt, wie sie es gerne hätten, die Kinder umfassend betreut und zu Hause die Kontoauszüge abheftet ...

Alleine auf Grund ihrer stärkeren Sozialkompetenz sind Frauen in der Regel diejenigen, die Kinder schnell noch zum Kinderart bringen, am Sankt-Martins-Zug teilnehmen oder das Essen für die Einladung am Samstagabend kochen. Für alleinerziehende Mütter ist das Zeit-Thema noch gravierender. Deshalb brauchen Frauen ein Netzwerk, von der Kinderbetreuung bis zur räumlichen Nähe von Schule und Kindergarten zur Praxis, sowie andere Behandlungszeiten als Männer, um ihre sozialen Aufgaben auch wahrnehmen zu können. Das permanent schlechte Gewissen, man wäre als Mutter nicht so präsent wie die Hausfrau von gegenüber, und auch in der Praxis nicht so viel verfügbar wie der Kollege von nebenan, sollte man sich schlicht abschminken und durch ein überlegtes, hochindividuelles Praxiskonzept abpuffern. Die Kinderbetreuung sollte doppelt gesichert sein, d.h. wenn die Kinderfrau krank ist, greift der Plan B mit Schwiegermutter, Freundin oder einer anderen Lösung, die nicht aus dem Stand entwickelt werden muss.

Auch Kolleginnen, die keine Kinder haben oder möchten, sind meist familiär oder sozial stärker eingebunden als ihre Lebenspartner. Und was wir alle noch manchmal brauchen: Zeit und Luft, zum Sport, zum Friseur oder zur Kosmetikerin zu gehen, um zumindest manchmal völlig entspannt und mit Freude die gutaussehende, hinreißende Geliebte zu geben, statt nur die gestresste Ärztin, die kräftemäßig ihr Tagespensum gerade so schafft, um abends ohnmächtig auf die Couch zu sinken. In einem individuellen Praxiskonzept muss auch Zeit und Raum für sich persönlich enthalten sein, sonst ist die Gefahr eines Burnouts relativ hoch, am stärksten zwischen 38 und 45 Jahren.

FLEXIBLE, FRAUENSPEZIFISCHE ARBEITSKONZEPTE

Frauen sind, entgegen der landläufigen Meinung, gute Netzwerker und meist sehr teamfähig. Daher bietet es sich an, in Gemeinschaft mit ein oder mehreren Kollegen/innen Räume und technische Geräte gemeinsam und daher kostengünstig zu nutzen. Ob als Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis, GmbH oder als Labor- und Gerätegemeinschaft hängt sehr stark von der individuellen Situation ab. Die Entscheidung für eine Rechtsform ist weitreichend, ich vergleiche es gerne mit einem Ehevertrag. Der beste Vertrag ist der Entwurf, der in der Schreibtischschublade verstaubt, weil er nicht gebraucht wird. In jedem Fall empfiehlt es sich, mögliche Eventualitäten im Vorfeld zu klären und vertraglich klar zu vereinbaren, solange man sich gut versteht, um für spätere Präzedenzfälle eine eindeutige Vorgehensweise zu erarbeiten. Man kann im Vorfeld nicht abschätzen, wie sich Praxispartner(innen) entwickeln, sowohl fachlich als auch persönlich – woraus später Differenzen entstehen können, die zur Praxisgründung gar nicht im Bereich der Möglichkeiten lagen.

Die großen Vorteile einer Arbeitsgemeinschaft, egal in welcher Form, eröffnen so tolle Möglichkeiten, dass es zumindest mehr als eine Überlegung wert sein sollte: Hier nur ein paar Punkte für z. B. zwei Kolleginnen:

DAS LIEBE GELD

Frauen haben oft auch ein unterschiedliches Investitionsverhalten als Männer und andere Vorstellungen von Lebensstil und finanzieller Sicherheit. Ich habe schon eine Menge Frauenpraxen gecoacht und oft sind sie, auch finanziell, nach ein paar Jahren deutlich erfolgreicher als ihre Männer. Doch der Anfang läuft oft sehr unterschiedlich ab. Frauen investieren vorsichtiger, überlegter, aber dafür regelmäßig. Auch so lange das Thema der Familienplanung noch nicht zu Ende gedacht ist, empfiehlt sich ein durchdachtes Grundkonzept, das Stück für Stück erweitert werden kann. Das betrifft den Zeitrahmen in der Praxis, wie auch die Finanzen. Mit veränderten Lebensbedingungen - große Kinder, keine Kinder, mit Lebenspartnerschaft oder ohne - kann der Zeit- wie auch der Finanzplan nachjustiert werden. In der Regel ist das alle 5 Jahre der Fall. Bis dahin hat sich jeweils so viel geändert am persönlichen Umfeld und den Bedürfnissen, dass man die eigene Praxis gut nachentwickeln und der Jetzt-Situation anpassen kann.

Gönnen Sie sich professionelle Hilfe

Ob es um Ihren Haushalt, das Praxismanagement, die Kinderbetreuung oder einen Coach für Ihre Praxis geht, gönnen Sie sich die Unterstützung eines Profis! Oft ist ein Blick von außen hilfreich, wenn man im eigenen System den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Um ein ausbalanciertes, glückliches Leben zu führen, ist es nicht sinnvoll, sich von der Arbeit überrollen zu lassen, auch wenn Erfolg etwas wahrhaft Schönes ist. Lassen Sie sich nicht von einem permanent schlechten Gewissen Ihr reiches und erfülltes Leben nehmen. Legen Sie Ihre persönlichen Schwerpunkte so, dass Ihre Seele und Ihr Herz gleichermaßen zu ihrem Recht kommen wie der berufliche und finanzielle Erfolg. Damit bleiben Sie auch gesund und können sich noch viele Jahre in Ihrer Praxis verwirklichen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Erfolg auf all diesen Ebenen. Trauen Sie sich!

Autorin Dr. Martina Obermeyer
info@aufwind.org

Systemische Orale Medizin         2. Jahrgang 3/2013

WER PASST ZU WEM UND WARUM?

WER PASST ZU WEM UND WARUM?

BUCHBESPRECHUNG

von Dr. Martina Obermeyer

Heilung im Familiensystem und Beziehungen

Berlin 2013, www.book-on-demand.de
Preis 32,00 Euro, ISBN 978-3-86386-555-9
Das Ziel, das die Zahnärztin und Heilpraktikerin Dr. Martina Obermeyer für ihr Buch „Wer passt zu wem und warum?" formuliert, ist groß. Sie will den Lesern ein Instrument an die Hand geben, um mit Menschen zu arbeiten und die eigenen Kontakte leichter und charmanter gestalten zu können. Nein, das neue Buch von Martina Obermeyer ist nicht eines von vielen (überflüssigen) Coaching-, Ratgeber- oder "Wie werde ich beliebt" Büchern.

Martina Obermeyer stellt in ihrem lesbaren und flüssig formulierten Werk das Ramira©-System vor. Das ist ein System, das auf der Rayid-Methode des Amerikaners Denny Johnston basiert, und erkennen lässt, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun und auch nicht anders kõnnen. Es vermittelt Einschätzungen und Wissen über einen anderen Menschen, um das Miteinander und die Kommunikation problemloser zu gestalten. Bewusstsein und Achtsamkeit im Umgang mit anderen, darum geht es. Ramira© basiert in seiner Analyse und Bestimmung eines Menschen auf drei Pfeilern: die Geburtsposition eines Menschen innerhalb der Familie, die Bezüge innerhalb des Familiensystems und die Iris zur individuellen Interpretation der Persönlichkeit eines Menschen.

ER (ODER SIE) KANN GAR NICHT ANDERS

Die Autorin stellt ihr System prägnant im Einzelnen vor und gibt durch zahlreiche Praxisfälle eine erstaunliche und teilweise verblüffende Einsicht in Handlungsweisen, Verhaltensmuster und soziale sowie psychische Verbindungen von Menschen. Er (oder sie) kann nämlich gar nicht anders! Doch das System von Martina Obermeyer erlaubt nicht nur eine Beschreibung, sondern gibt auch Handlungsempfehlungen und Anleitungen für Konfliktlösungen. Denn die Geburtsposition eines Menschen bedingt Aspekte seiner Persönlichkeit und forciert Verhaltensmuster und Beziehungsstrukturen. Insgesamt zwölf Praxisfälle werden von Martina Obermeyer dargestellt.

Auch Anwendungsgebiete von Ramira© werden in dem 160 Seiten umfassenden Buch genannt. Die Auswahl neuer Mitarbeiter und Kollegen kann ebenso durch die Kenntnis der Geburtsposition, die genetische, generische und soziale Aspekte Buch bedingt, beeinflusst werden wie auch der Zuzug oder Weggang von Mitgliedern einer Wohngemeinschaft oder eines Arbeitsteams. Der Titel „Wer passt zu wem und warum?“ macht klar, dass jeder im privaten Kontext, aber auch Therapeuten oder Trainer Anwender des Systems Ramira© sein können. Die Autorin, die als Heilpraktikerin, Coach und Referentin tätig ist, leitet das Seminarhaus „Aufwind", in dem sie Menschen intensiv betreut und mit ihnen nach ihrem seit zehn Jahre angewandten System effektiv arbeitet.

„Wer passt zu wem und warum?" ist keine wissenschaftliche Schrift zur Vorstellung einer systematischen Theorie, aber ein Praxis-Handbuch mit klaren und stringent formulierten Handlungs- und Interpretationsanweisungen. Die Autorin selbst nennt ihr Werk ein „Einführungsbuch", dem weitere Werke folgen sollen. Diesem Anspruch wird Martina Obermeyer gerecht. Eine Diskussion über die Grundlagen von Ramira© und über die auf deterministischen Sichtweisen basierende Grundeinstellung kann und darf auch nicht in einem solchen Einführungsbuch erfolgen. Allerdings ist sie für spätere Werke geboten. Sie ist auch deshalb erforderlich, weil die Lektüre des Buches teils verblüffende, gleichzeitig einleuchtende und manchmal sogar sehr erheiternde Momente bietet. Ein lesenswertes und diskussionswürdiges Buch über den menschlichen Umgang innerhalb von Familien- und Beziehungssystemen.

Dr. Birgit Brink

Systemische Orale Medizin

3. Jahrgang 1/2014

WEIBLICHE ERFOLGSSTRATEGIEN

WEIBLICHE ERFOLGSSTRATEGIEN

von Dr. Martina Obermeyer

Zahnärztinnen stellen heute den größten Anteil unserer Berufsgruppe dar und arbeiten zwangsläufig anders als die meisten männlichen Kollegen – doch nicht weniger erfolgreich. Was genau ist zu beachten, wenn man als Frau eine Praxis erfolgreich leiten und gleichzeitig ein erfülltes Privatleben führen möchte?

Besonders mit Familie im Gepäck empfiehlt sich eine klare Zeitstruktur und Logistik. Kurze Wege sind entscheidend in die Praxis, zur Kita, zum Einkaufen, zum Sport etc. Daher planen Sie Ihre Zeit in der Praxis möglichst genau und Ihren Bedürfnissen entsprechend. Sie können jederzeit in Ihrer eigenen Praxis die Öffnungszeiten und Behandlungszeitfenster den aktuellen Lebensumständen anpassen.

IN KLAR DEFINIERTER ZEIT PUNKTGENAU ARBEITEN

Während der Behandlungszeit verwirklichen Sie sich möglichst ausschließlich im Sprechzimmer. Zuviel Multitasking, wie ständiges Telefonieren oder E-Mails abarbeiten zwischen den Patienten oder während gerade eine Spritze zu wirken beginnt, erfordert eine ständige Veränderung der Konzentration, und man ermüdet viel schneller. Hingegen mit Fokus auf eine Tätigkeit, z. B. wenn Sie bei einem Patienten im Sprechzimmer bleiben, behalten Sie länger Ihre Energie und sind am Ende des Tages nicht ,,blutleer".

Büroarbeiten erledigen sich am besten mit einem ausgeruhten Kopf, also vor der Patientenbehandlung oder nach einer Pause. Versuchen Sie auch möglichst alles, was mit der Praxis und deren Verwaltung zu tun hat, dort zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen. Auf diese Weise können Sie leichter umschalten und sich ganz auf Ihr Privatleben konzentrieren, sobald Sie die Praxis verlassen. Machen Sie sich keinen Kopf, Sie würden nicht genug Chefin, Mutter oder Geliebte sein -Präsenz ist das Zauberwort!

Versuchen Sie möglichst, mit Körper und Geist bei der Sache zu sein, die Sie aktuell gerade tun: ob bohren, Kinder bespaßen, Ihren Mann begeistern oder sich nach den beruflichen Anforderungen im Privaten tatsächlich zu entspannen.

WER HÄLT IHNEN DEN RÜCKEN FREI?

Sie brauchen ein Netzwerk auf allen Ebenen. Nicht nur beruflich, sondern auch für alle anderen Aktivitäten des sozialen Umfelds. Noch sind es meist wir Frauen, die Kinder im Zweifelsfall zum Arzt bringen oder uns um die kranke Schwiegermutter kümmern. Selbst mit einem Mann, der im Haushalt mithilft, ist nicht alles abgedeckt. Mit einer Haushaltshilfe, die Ihnen die täglichen Pflichten abnimmt oder erleichtert, ist schon viel gewonnen. Für Kinder brauchen Sie unbedingt einen Plan B: Bei Krankheit eines der Kinder, wenn der Kindergarten geschlossen hat oder zur Überbrückung der langen Ferienzeiten ist eine Person, die einspringen kann, eine conditio sine qua non. Diese sollte mit den Kindern möglichst vertraut sein, sodass sie auch gerne dort hingehen. Ideal ist der Fall, dass die Vertrauensperson direkt zu Ihnen nach Hause kommen kann.

Den Nachwuchs in die Praxis mitzunehmen, ist nur im Not- fall angesagt und sollte keinesfalls einen Standard darstellen. Man kann sich nicht wirklich konzentrieren mit einem kranken Kind im Hintergrund- das Risiko, durch eine Unachtsamkeit deshalb Fehler zu machen, ist zu groß.

Für alle weiteren bürokratischen Aspekte gönnen Sie sich bitte die besten Berater und Mitarbeiterinnen, die Sie bekommen können. Einen mit Zahnärzten vertrauten Steuerberater, eine pfiffige Buchhalterin sowie eine Abrechnungskraft, die Sie auch in weiteren logistischen Vorschriften in der Praxis unterstützt, wie beispielsweise Qualitätsmanagement oder neue Hygienevorschriften. Für Pläne und Konzepte sowie Führungsaspekte mit Ihrem Team kann ein Coach, möglichst vom Fach, wertvolle Hilfestellung bieten. Lassen Sie Ihre Praxis nicht zur alleinigen Aufgabe in Ihrem Leben werden, sondern arbeiten Sie gerne dort - mit einem definierten Anfang und Ende.

Das wichtigste Unterstützungselement ist zweifellos Ihr Praxis-Team. Sie können nur so gut sein, wie das Team, das Sie unterstützt. Das ist die Basis, auf der Sie entspannt und effizient arbeiten können.

KLARE STRUKTUR GIBT SICHERHEIT

Aus meiner Sicht ist eine Organisation auf den Punkt der entscheidende Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis wie auch für Ihre persönliche Balance. Weniger entscheidend ist die Anzahl der Stunden, die Sie in der Praxis verbringen, sondern dass die Zeit dort optimal genutzt wird. Das ist eine Frage der Planung und Terminierung. Am besten funktioniert das mit einem Team, das gut zu Ihnen passt und sich als möglichst beständig erweist. Mitarbeiter sind heute unsere wertvollste Ressource darauf sollten wir das größte Augenmerk legen. Fin neues Röntgengerät oder DVT können Sie jederzeit erwerben, gute Mitarbeiterinnen sind jedoch Juwelen, die es zu pflegen gilt.

Für Ihr Team bedeutet eine klare Struktur in der Praxis gleichermaßen Sicherheit und Orientierung. Dadurch hat jeder Einzelne die Möglichkeit, seine Aufgaben innerhalb eines zeitlich definierten Rahmens möglichst gut auszuführen.

Ständige Planänderungen, Zusatzaufgaben oder neue Abfolgen verunsichern und stressen das Team. Kreieren Sie Ihre Ablaufe so, wie es Ihrer Persönlichkeit entspricht, und bleiben Sie dabei. Was sich bewährt, muss nicht jeden Tag neu definiert werden.

Solange Sie alleine in der Praxis arbeiten, ist das relativ übersichtlich. Mit zwei oder mehreren Behandlern erweitert sich das Spektrum der Behandlung, und es treffen unterschiedliche Charaktere aufeinander. Trotz aller Verschiedenheiten in Persönlichkeit und Arbeitsweise müssen Ihre Mitarbeiterinnen mit jedem der Zahnärzte zurechtkommen. Hier empfiehlt sich, auch im Rahmen eines "Schicht-Betriebs" in der Praxis, die Kleingruppen miteinander arbeiten zu lassen, die sich gut untereinander verstehen und ähnlich ticken.

Nutzen Sie Ihren Vorteil als Chefin, alles zu delegieren, was nicht konkret Chefaufgaben sind. Besonders Arbeiten, die Sie selbst nicht gerne machen und andere auch erfüllen können – gönnen Sie sich den Luxus, gezielt abzugeben und sich auf Stichproben zu beschränken.

WEIBLICHE FÜHRUNG – WAS IST ANDERS?

Ein stabiles Team in der Praxis erreicht man nur durch gezielte und vor allem authentische Führungsarbeit. Das bedeutet konkret Energie- und Zeitaufwand. Praxisführung macht sich nicht von alleine, sondern wird idealerweise aus Herz und Verstand geboren. Und diese Kombination ist eine Stärke von uns Frauen! Sie können nur so führen, wie Sie als Persönlichkeit angelegt sind. Versuchen Sie gar nicht erst, die Überchefin zu spielen, die nie einen Fehler macht und immer recht hat – das funktioniert nicht. Das Leben ist einfach nicht so, und es kostet unglaublich viel Kraft, die immer perfekte Chefin darzustellen. Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag, vergisst etwas oder macht einen Flüchtigkeitsfehler, das ist einfach normal. Sie werden dadurch nicht unglaubwürdig oder eine schwache Führungskraft, sondern sind einfach menschlich. Je authentischer Sie mit Ihrem Team agieren, umso leichter ist das Mitarbeiter-Management.

Trotz allem, muss man es erst lernen. Frauen als Chefs pflegen oft flache Hierarchien das bedeutet eine Begegnung auf Augenhöhe mit den Mitarbeiterinnen. Aus so einer Struktur resultiert ein freundschaftlicher Umgangston im Team, Einbeziehung der Mitarbeiter, auch in verschiedene Fragen des Praxismanagements, wie auch die Nutzung der Kreativität eines Teams, um komplexe Aufgaben möglichst umfassend zu lösen. Als Voraussetzung, dass dieses System auf Dauer funktioniert, brauchen Sie entweder Damen, die Sie ohne Wenn und Aber als Chefin respektieren und nicht infrage stellen, oder Sie müssen sich manchmal deutlich abgrenzen.

Es gibt immer wieder Menschen in unserem Umfeld – und das passiert nicht nur in der Praxis – die versuchen, Grenzen auszuloten. Nehmen Sie Ihre Praxis gleich als Übungsfeld für das Privatleben ... lernen Sie, klare Grenzen zu setzen und für Ihre Praxisphilosophie sowie Ihre Arbeitsweise einzustehen. Sie haben sich viele Gedanken gemacht, wie Sie Ihre Praxis führen möchten, Sie stehen mit Ihrem Namen und Ihrem finanziellen Einsatz in der Verantwortung. Deshalb sollten Sie immer vollkommen à jour sein mit allem, was in Ihrer Praxis passiert. Angefangen vom Umgangston untereinander im Team und mit Patienten bis zur Preisgestaltung.

GELD UND INVESTITIONEN

Meine Empfehlung bei der Praxisgründung ist, finanziell nicht bis ans äußerste Limit zu gehen. Eine Praxis benötigt auch permanente Nachinvestitionen, wenn Sie auf Höhe der Zeit und der Technik bleiben möchten. Da ist es nicht mit einer Einmal-Aktion" au Beginn getan. Investieren Sie auf jeden Fall so viel, dass die Praxis Ihren persönlichen Stempel bekommt und Sie qualitativ sehr gut arbeiten können. Alles Weitere, was keine großen baulichen Maßnahmen, sondern eher nur" Geld bedeutet, können Sie auch später oder nach und nach erledigen.

Im Hinblick auf eine gute Liquidität ist es ausgesprochen charmant, in der Zeit der steuerlichen Abschreibung die Investition zu tilgen. Möglichst von Beginn an. Solange Sie von den Steuervorteilen profitieren, fallt es Ihnen leichter, Geld für die Tilgung zur Verfügung au haben. Denken Sie ebenso daran, eine Steuer Rücklage zu bilden. Lassen Sie sich zeitnah von lhrem Steuerberater sagen, welcher Betrag für die Steuer des abgelaufenen Jahres oder Quartals fällig werden wird, und parken Sie dieses Geld auf einem separaten Konto. Sonst trifft Sie spätestens zweieinhalb Jahre nach der Praxisgründung eine komplette Steuernachzahlung und gleichzeitig eine knackige Vorauszahlung. Hat die Bank Sie in den ersten zwei Jahren von jeglicher Tilgung freigestellt, kommen zum gleichen Zeitpunkt auch die regelmäßigen Tilgungsraten hinzu.

Frauen investieren generell etwas vorsichtiger als Männer und entscheiden intuitiver. Wir wissen nie genau im Vorhinein, ob wir nicht doch noch ein oder zwei Kinder bekommen oder sich im Privatleben et was anderes ergibt, wofür wir vielleicht Zeit rekrutieren müssen. Versuchen Sie möglichst, nicht gleichzeitig hohe berufliche und private Verbindlichkeiten einzugehen. Ein privater Kredit gestaltet sich wesentlich leichter, wenn Sie schon Erfolge aus einer florierenden Praxis vorzuweisen haben.

Planen Sie Ihre Finanzen und Investitionen so, dass Sie nicht unbedingt und um jeden Preis jeden behandeln müssen, der Ihre Praxis betritt. Bewahren Sie sich die Freiheit, auch einmal einen besonders dramatischer Fall ablehnen zu können. Das funktioniert nur, wenn Sie nicht permanent das Gefühl haben, die Bank sitze Ihnen im Nacken. Gestalten Sie daher Ihre Investitionen und Tilgungsraten entspannt für Ihr persönliches Wohlfühlen und ohne die Notwendigkeit, 40 Stunden pro Woche am Stuhl stehen zu müssen. Nutzen Sie Ihre Behandlungszeit am Patienten optimal, planen und kalkulieren Sie Ihre Stundenumsätze.

Ich kenne einige Kolleginnen, die durch eine suboptimale Investitions- und Finanz-Planung bis zu ihrer Rente Praxis-Schulden mit sich schleppen und daher gezwungen sind, bis mindestens 67 Jahre zu arbeiten. Oder sogar hoffen müssen, durch einen guten Praxisverkauf die verbliebenen Verbindlichkeiten zu tilgen. So etwas ist absolut vermeidbar. Man möchte auch das Gefühl haben, vorwärts zu kommen und etwas zu erreichen. Mit etwas Fingerspitzengefühl und bei Bedarf einem Profi an der Seite, den man fragen kann, ist das eine sichere Angelegenheit. Es gibt wenige Berufe, in denen man sich auf ein so gutes und sicheres Einkommen verlassen kann wie in unserem Beruf in der eigenen Praxis. Ein gutes Konzept, das zu Ihnen passt, ist die Basis dafür.

ACHILLESFERSE MITARBEITER

Die Achillesferse einer eigenen Praxis ist meiner Meinung nach nicht die Finanzierung, sondern ein engagiertes und gut ausgebildetes Mitarbeiterteam, das uns in die Lage versetzt, wirklich effizient als Zahnärztin zu arbeiten. Am besten schaffen Sie sich das selbst, indem Sie konsequent ausbilden und Ihre Damen auch persönlich an die Praxis binden. Diese Investition von Zeit und Herzblut zahlt sich langfristig auf jeden Fall aus! Dann werden Sie zu den Glücklichen gehören, die immer über ausreichend Mitarbeiterinnen verfügen.

Es lohnt sich immer!

Mich haben meine erfolgreiche Praxis, mein stabiles Team und das entsprechende Feedback von Patienten über alle privaten Krisen hinweg getragen. Eine eigene Praxis ist eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst beruflich und persönlich zu verwirklichen. Ich würde es jederzeit wieder tun, und es macht mir genauso viel Freude, diese Erfolgskonzepte weiterzugeben – individuell auf jeden einzelnen Fall abgestimmt.

Autorin
Dr. Martina Obermeyer

• Zahnärztin seit 1985, Heilpraktikerin seit 1992, Coach seit 2000. praktizierend in allen drei Berufssparten
• Zusatzausbildungen in Körpersprache, Gestalttherapie, Kinesiologie, Craniosakral-Therapie, Farmiliensystematik, Irisdiagnostik, Psycho-Kinesiologie, Physioenergetik, Neuraltherapie, Akupunktur
• eigene Seminarfirma Aufwind Consulting GmbH seit 2007
• zahlreiche Veröffentlichungen in ZM, Quintessenz, Spitta Verlag, PKV, Prophylaxe Journal, GZM, Haug-
• publizierte Bücher: Wer passt zu wem und warum? (2013), Schau mir in die Augen ... und ich sage dir, wer du bist (2019)

Interessenkonflikt
De Autorin eklärt, dass kein Interessenkonflikt Sinne der Richtlinien des Internatio

TALENTE GEMEINSAM ENTWICKELN

TALENTE GEMEINSAM ENTWICKELN

von Dr. Martina Obermeyer

Aufgeschlossene, mitdenkende, unterstützende, kurzum: perfekte Mitarbeiterinnen sind der Traum jedes Praxischefs.

Nur wie findet man sie? Die Antwort ist einfach - indem man seine Mitarbeiterinnen gemäß ihren Talenten und Begabungen einstellt und einsetzt, sodass jede an der richtigen Stelle ist, ihre Arbeit liebt, sie engagiert betreibt und Erfolgserlebnisse hat. Mit den nachfolgenden Tipps binden sich einerseits die Mitarbeiter sowie andererseits die Praxis und das Team ideal aneinander.

Ein langjähriges, gut eingespieltes Team in der Praxis ist der Garant für entspanntes Arbeiten.

Insbesondere der Zahnarzt profitiert davon. Jeder weiß, wie der andere tickt, was er gut und weniger gut beherrscht, man verlässt sich aufeinander - das ist die Basis jedes langfristigen Praxiserfolgs. Allerdings ist der persönliche Einsatz des Praxischefs gefordert, denn die Aufgabe als Führungskraft ist es, die Talente der Mitarbeiter zuerkennen und sie entsprechend ihrer Begabungen einzusetzen. Ein Team sollte verschiedene Persönlichkeiten vereinen, nicht alle sollten dabei genauso funktionieren wie der Chef. Genauso wichtig sind die sogenannten unbequemen Teammitglieder, die Abläufe oder Pläne kritisch hinterfragen und damit neue Ideen implementieren 2FAS aus der Situation heraus, sind Goldwert.

AUSWIRKUNGEN IN DER TÄGLICHEN PRAXIS

Patienten konfrontieren in der zahnärztlichen Praxis sowohl die Chefs als auch die Mitarbeiterinnen mit vielen Fragen, die mit der Zahnbehandlung oft nichts zu tun haben. Sie möchten in ihrer Befindlichkeit ernst genommen werden, verzögern und behindern jedoch damit die Behandlung. Ängste, Unsicherheiten, Nervosität, Atmungsprobleme, Würgereiz und medizinische Krankheitsbilder der Patienten führen zu Schweißausbrüchen, erhöhtem Speichelfluss, Versagen von Spritzen und ähnlichen Symptomen, die das Bohren, Kürettieren oder Abformen erschweren. Enorm hilfreich ist da eine Assistentin, die den Patienten genau dort abholt, wo er ist, die sich individuell und einfühlsam auf dessen Emotionen einstellt und den Patienten schon im Sprechzimmer auf den bevorstehenden Termin psychologisch geschickt einstellt.

Da Zahnärzte in der Regel nur für Abrechnungspositionen „im Mund" und nicht für psychologische Gespräche bezahlt werden, ist eine solche Assistenz am Stuhl unersetzlich. Patienten, die sich gut aufgehoben fühlen, sind entspannt, öffnen den Mund weit, haben einen normalen Speichelfluss und lassen die Prozedur einer zahnärztlichen Behandlung geduldig über sich ergehen. Für die Sprechstunde bedeutet das, dass Zahnärzte den Zeitrahmen des Termins einhalten können – ein somit nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Vorteil.

PERSÖNLICHKEIT INKLUSIVE

Eine neue ZFA, Techniker etc. zu finden erfordert Zeit, welche man sich unbedingt nehmen sollte. Für ein Einstellungsinterview kann eine gute Stunde einkalkuliert werden, in welcher Sie Ihr Gegenüber ca. 80 Prozent des Gesprächs bestreiten lassen. In erster Linie möchten Sie etwas vom Bewerber erfahren, gefragt werden kann durchaus auch nach privaten Dingen, persönlichen Vorlieben und Erfolgserlebnissen. Teamfähigkeit, Empathie, spontane Handlungsfähigkeit und Anpassung auf neue Bedingungen – darauf kommt es bei einem Bewerber an. Aspekte der Persönlichkeit, welche sich schon im Gespräch bemerkbar machen, sind in der Regel weniger veränderbar als hingegen das Fachwissen, welches z.B. noch in Fortbildungen erworben werden kann. Besonders geachtet werden sollte deshalb auf die Lernbereitschaft sowie das Engagement des potenziellen neuen Mitarbeiters, da diese die Voraussetzung sind. Erst daran anschließen sollten sich die Arbeitsweise des Chefs bzw. des gesamten Teams und eventuell Persönliches.

Tipp: Lassen Sie ausgewählte Bewerber wenigstens zwei Tage lang Probe arbeiten und sprechen Sie im Anschluss mit allen Teammitgliedern darüber. Gibt es Widerstand von nur einem Mitarbeiter gegen den „Neuen", ist zu empfehlen, ihn nicht einzustellen – vorausgesetzt, Ihre bisherige Mannschaft entspricht genau Ihren Wünschen.

SONDERFALL AZUBINEN

Bei Auszubildenden, die in der Regel im Alter von 15 bis 20 Jahren beginnen und noch keine ausgeprägte Persönlichkeitsstruktur mitbringen, welche sich in einem Eingangsgespräch eindeutig erkennen ließe, stellt sich die Situation schwieriger dar. Hier sind Sie mehr auf Ihr Gefühl angewiesen, um das persönliche Profil der Bewerberin richtig einzuschätzen und ihre Begabungen (jenseits der manuellen Geschicklichkeit) zu erkennen. Die jungen Damen befinden sich zu diesem Zeitpunkt in einem Übergangsbereich ihrer persönlichen Entwicklung, sie starten als

Teenager und werden in den drei Ausbildungsjahren zu Erwachsenen. Die Position des Ausbilders bringt daher die Verantwortung, den jungen Frauen einen Ort zu bieten, wo sie - neben dem Erwerb des notwendigen Fachwissens – eine ausbalancierte Persönlichkeit und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können.

Tipp: Lassen Sie die Azubinen eine Woche lang Probe arbeiten, zwei oder drei Tage sind hier oft nicht ausreichend. Es dauert, bis die ersten Schrecken (Umgang mit Blut und anderen anfangs ungewohnten und unangenehmen Dingen) überwunden sind und die Interessentinnen Freude und Interesse an der zahnärztlichen Tätigkeit entwickeln. Auch hier ist ausschlaggebend, wie wohl sie sich im Team fühlen.
Eine Patin erleichtert den Start

Für das erste Ausbildungsjahr, auf jeden Fall aber für die ersten Monate, empfiehlt sich die Auswahl einer sogenannten Patin, welche die Auszubildende intensiv betreut und ihre erste Ansprechpartnerin in allen Belangen ist. Am besten dafür geeignet ist eine langjährige Kraft, die über alles in der Praxis Bescheid weiß und Schritt für Schritt an alle Aufgaben heranführen kann. Sie sollte über pädagogisches Geschick und Verständnis für schrittweises Lernen verfügen. Zusätzlich ist es hilfreich, wenn zwischen Auszubildender und Ansprechpartner in Sympathie besteht.

GEWINN FÜR JEDE PRAXIS

Exzellente langjährige Mitarbeiterinnen sind die Basis des Praxiserfolgs. Als Chef schafft man es kaum, die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und deren enge Bindung an die Praxis viele Jahre lang aufrechtzuerhalten. Das Hinzuziehen eines externen Coaches, möglichst aus der Zahnheilkunde, als zusätzlicher Input ist dabei äußerst hilfreich. Besondere Aufmerksamkeit verdienen hier die Azubinen - sie sind die Stützen der Zukunft in der Zahnarztpraxis. Es empfiehlt sich daher, den eigenen Nachwuchs gut auszubilden, da in der Ausbildungsphase eine intensivere Bindung zwischen Zahnarzt und Mitarbeiterin aufgebaut werden kann als in späteren Jahren.

Im Nachwuchs liegt die Zukunft

Genau hier – an der Schnittstelle von ZFA, Praxisteam und Zahnarzt - setzt das Programm Azubi-Fit von InsiemeConsulting an. Im Rahmen dieses Programms werden Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr in allen Bereichen ausgebildet, für welche in der täglichen Praxis oft weder genügend Raum noch Zeit ist. Die jungen Frauen werden in sechs Modulen kommunikativ und psychologisch geschult sowie für Beratungsgespräche mit Patienten als auch im konstruktiven Umgang mit Kritik. Sie lernen fachbezogen - aus der Praxis für die Praxisschwierige Situationen mit Charme und Humor zu meistern, Teamverständnis aufzubauen und eine Eigendynamik zu entwickeln. Fachliches Detailwissen, die Organisation von Arbeitsabläufen sowie die professionelle und einfühlsame Assistenz am Stuhl gehören selbstverständlich mit zum Ausbildungsprogramm.

Mithilfe dieser Tipps sowie der Weiterbildungsmöglichkeit während der Ausbildung binden sich Mitarbeiter und Praxis bzw. Chef ideal und vor allem langfristig aneinander und Sie können Tag für Tag ein gut eingespieltes Team genießen.

Dr. Martina Obermeyer
Aufwind Consulting GmbH
Kocheler Straße 1
82444 Schlehdorf
Tel.: 08851 615691
info@aufwind.org

Endodontie Journal 2 / 2016

TAKEOFF STATT BURNOUT

TAKEOFF STATT BURNOUT

FIT FÜR PRAXIS UND FREIZEIT

von Dr. Martina Obermeyer

Eine eigene Praxis erfordert viel Herzblut, Engagement und Idealismus. Alles im rechten Maß und im angemessenen Timing, bedeutet dies auch eine Quelle von Erfolg, Bestätigung, Spaß und Freude an der Arbeit. Dass es im Alltag eines Zahnarztes oft ganz anders und einfach nur stressig zugeht, ist aber auch klar. Doch mit ein paar Tipps lässt sich der Burnout vermeiden – und das Gegenteil erreichen.
Zunächst einmal das Negativ Beispiel: zehn erprobte und wirkungsvolle Ratschläge, wie angestellte und selbstständige Zahnärzte sich selbst ohne Umwege fertig machen können.

  1. Arbeite soviel und solange wie überhaupt möglich – besonders nachts und an Wochenenden, Versuche unbedingt, auch an Feiertagen zu arbeiten.
  2. Nimm möglichst viele besonders komplizierte und belastende Fälle an. Lege die Termine so, dass sie möglichst alle an einem Tag sind - wenn möglich, gleich drei oder vier hintereinander. Vermeide Pausen und beschäftige dich möglichst oft mit diesen Fällen.
  3. Nimm dir höchstens einmal im Jahr Urlaub, und auch nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Nimm dann aber auf jeden Fall Fachliteratur und Akten mit, die du im Hotelzimmer lesen kannst. Vergiss außerdem nicht, täglich in der Praxis anzurufen, um zu erfahren, ob es irgendwelche dringenden Fälle oder Probleme gibt.
  4. Lies immer dasselbe alte Zeug. Egal, welcher therapeutischen Richtung du anhängst, bleib unbeirrt und unbeeindruckt von irgendwelchen neuen Entwicklungen, Glaub auch nicht, dass irgendjemand anderes als gerade die Vertreter deiner therapeutischen Richtung auch nur annähernd interessante Ideen oder Anregungen haben könnte.
  5. Merke dir besonders, wie unfair deine Kunden, Geschäftspartner und Patienten sind. Wie sie deine Bemühungen untergraben. Wie sie dich erst zu mögen scheinen, um sich dann mit irgendwelchen Nichtigkeiten gegen dich zu wenden. Wie sie dir am Ende einer zermürbenden Verhandlungs- oder Behandlungsstunde voller Auseinandersetzungen und Ärger etwas versprechen – und es dann doch nicht tun. Und: Wie sie sich und dich abwerten, wenn sie deine Praxis verlassen.
  6. Mache deine Selbstbestätigung ausschließlich von deiner Arbeit abhängig. Versuche erst gar nicht, so etwas wie ein Privatleben zu führen. Deine Geschäftspartner, Kunden oder Patienten brauchen dich viel zu sehr
  7. Gib unter keinen Umständen Geld dafür aus, deine Praxisräume schon zu gestalten, Warum solltest du dich auch den ganzen Tag über in einer angenehmen Umgebung aufhalten wollen?
  8. Glaube fest daran, dass gerade du jeden Fall lösen kannst. Egal, um welche Aufgabe es sich handelt, ob um Einkauf, Marketing oder Beziehungsprobleme in der Praxis, ob wirtschaftliche Zwange, depressive Patienten, nur du allein kannst diese Aufgabe bewältigen. Und vergiss nie: Wenn du keine Fortschritte erzielst, es ist immer deine Schuld.
  9. Sei nicht an deinem eigenen Wohlergehen interessiert. Rede nie über die positiven Seiten deiner Tätigkeit, oder gar über berufliche Erfolge. Denke auch niemals daran, beruflich weiter zu kommen oder dich gar finanziell besser stellen zu wollen.
  10. Lebe dein Leben ohne Freunde, Partner oder Familie. Solltest du zufälligerweise dennoch eine Familie haben, ignoriere sie einfach. Wenn du alleine bist, suche nach dem idealen und absolut fehlerlosen Partner, auch wenn diese Suche dein ganzes Leben lang dauert. Gib dich niemals mit einem normalen Menschen zufrieden, erwarte immer das Unmögliche.

Gestresst, genervt geschafft: Wer sich selbst keine Pause und keinen Freiraum gönnt, der macht sich und  seine Praxis fertig.

Entspannter, zufriedener, erfolgreicher:  Wer bei der Arbeit auf seinen eigenen Rhythmus hört, der sorgt dafür, dass es auch der Praxis bestens geht.

SIE SEHEN SCHON: SO KANN ES NICHT GEHEN.

Deshalb folgen jetzt zehn Tipps, um fit zu sein für die Praxis und die Freizeit.

1. Schaffen Sie gut lebbare Zeit-Rahmen-Bedingungen

Achten Sie beim Festlegen Ihrer Praxiszeiten vor allem auf Ihren persönlichen Rhythmus.

  • Sind Sie Frühautsteher oder Langschlafer?
  • Wohnen Sie nahe bei der Praxis und können sich aus diesem Grund eine Mittagspause zuhause erlauben?
  • Haben Sie einen Anfahrtsweg von einer knappen Stunde und ist daher die Praxiszeit mit einer kurzen Kaffeepause besser genutzt?
  • Sind Sie ein Typ, der - wie in südlicheren Gegenden - eine Siesta braucht?
  • Wie sind Ihre privaten Rahmenbedingungen? Haben Sie Kinder, die Sie nachmittags betreuen müssen?
  • Wollen Sie zur Jagd, auf den Golfplatz, oder im Garten graben?
  • Sind Sie der Typ, der morgens erst mal eine Stunde im Fitnessstudio oder beim Joggen absolviert?

Geben Sie sich, Ihrem Typ entsprechend, Arbeitsbedingungen, mit denen Sie wirklich gerne leben. Gönnen Sie sich Pausen, arbeiten Sie nicht bis zur Erschöpfung, legen Sie Ihre Hauptbehandlungszeiten in die Phasen des Tages, in denen Sie persönlich am stärksten sind. Und sollte das sieben Uhr morgens sein, haben Sie ruhig den Mut, um sieben Uhr morgens zu beginnen. In Bezug auf Marketing ein wunderbares Alleinstellungsmerkmal, und Sie sind spätestens um drei Uhr nachmittags fertig. um noch bei Tageslicht Ihren Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen.

2. Dosieren Sie schwierige Fälle homöopathisch.

Jeder Zahnarzt hat immer gerade wenigstens einen Fall in petto, der ihn über Gebühr beschäftigt. In der Regel ist das ein Behandlungsfall, der ihn mehr oder weniger an eine Grenze bringt, sei es physisch, physisch oder fachlich.

Arbeiten Sie wohldosiert mit diesen schwieringen Fällen. Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor, sonst könnte das leicht zu einer Überlastung werden. Ein bis zwei spannende Patientenfälle, an denen Sie ein wenig „knabbern“und wachsen können, bringen Sie beruflich weiter und haben einen nachhaltigen Lerneffekt. Diese Art von Präzedenzfällen sind die beste, einfachste und praktikabelste Art der Fortbildung im Praxisalltag. An ihnen lassen sich sehr gut neue Standards für die Zukunft erarbeiten.

Abstand schaffen

3. Machen Sie ausreichend Urlaub.

Mit Urlaub sind auch Ferien im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, um Abstand zum Praxisalltag zu schaffen und die kreative Batterie wieder aufzuladen. 

Fortbildungen zählen – wenn man sie ernst nimmt – zur Arbeitszeit. Von intensiven Fortbildungen kommt man nicht erholt zurück, sondern voller neuer Ideen, die eine weitere tiefgreifende Aktivität erfordern, nämlich die Umsetzung.

Packen Sie ihre Urlaube nicht mit Fortbildungen voll, sondern gönnen Sie es sich einfach, richtig auszuspannen. Fahren Sie dazu am besten weg, um nicht erreichbar zu sein, auch nicht für die so genannten ,,speziellen Schmerzpatienten". Der beste Erholungseffekt stellt sich ein ohne Handy, ohne private Erreichbarkeit, unter Verzicht auf Laptop und Fachliteratur. Kreativität braucht Raum und Zeit. Nach einer wirklichen Auszeit" ist man um ein Vielfaches kreativer und effizienter als vor- her. Dazu ist es nicht unbedingt notwendig, auf eine einsame Insel ohne Strom und Verbindung zur Außenwelt abzutauchen. Es reicht völlig aus, die ,,Praxisbrücken" hinter sich abzubrechen, und ohne tägliche telefonische Kontrolle, Nachsendung der Post oder Bearbeitung der E-Mails einen wirklich entspannten Urlaub zu verbringen, der das eigene Gehirn auf ein ungerichtetes, freies Denken umpolen kann.

4. Suchen Sie sich neue, spannende Aufgaben.

Es ist äußerst motivierend, auch fachlich einmal wirklich der Lust nachzugehen. Oft bemerkt der Zahnarzt beim Durchblättern der Fachliteratur spannende Artikel oder Randbereiche, mit denen er sich bisher nicht beschäftigen konnte. In der Regel sind es Zeitgründe oder die Überlastung durch den täglichen Praxisbetrieb. Mit der Chance, etwas Neues zu lernen, das Sie ausschließlich interessiert und Spaß macht, entsteht eine völlig neue Motivation und Begeisterung in der Praxis.

Die Aufgaben, die man am liebsten tut, erledigt man in der Regel auch am Besten.

Diesem "Lustprinzip" folgend, kann ein neues Randgebiet oder eine Spezialisierung in der Praxis entstehen. Neue Ideen und Möglichkeiten zur Therapie sind für das gesamte Team spannend und motivierend. Ein Chef kann jedoch nur ein Team motivieren, wenn er selbst von seiner Arbeit überzeugt ist und sie wirklich mit Leib und Seele verrichtet. Die Eigenmotivation ist eine der schwierigsten Aufgaben in der eigenen Praxis. Nutzen Sie die Chance zu spannenderen Fortbildungen, wo Sie sich mit gleichgesinnten Kollegen auch intensiv austauschen können.

5. Engagieren Sie sich und profitieren Sie vom positiven Feedback.

Mitarbeiter und Patienten spüren instinktiv, ob Sie mit ganzem Herzen bei der Sache sind oder den Praxisalltag nur als Pflichtübung betrachten. Dies ist keine Frage des IQ, sondern der emotionalen Intelligenz, die jedem Einzelnen zu eigen und nicht korrumpierbar ist. Wer authentisch, echt und ehrlich mit seinen Mitarbeitern, Patienten und Geschäftspartnern umgeht, bekommt ein Vielfaches davon zurück.
Offen kommunizieren

Geradlinigkeit Offenheit und Konfliktfähigkeit sind die Parameter für eine erfolgreiche Praxisführung. Unter diesen Prämissen wissen sowohl das Team als auch die Patienten mit wem sie es zu tun haben. Diese gewachsenen, soliden Beziehungspfeiler machen vieles im täglichen ,,Handling" sehr einfach. Wenn die Kommunikation offen, klar und stimmig ist, spart das auch viel Zeit.

  • Ein neuer Bankkredit bedeutet ein Telefonat von 15 Minuten, ohne zähe Verhandlungen oder größere Schwierigkeiten, die über die Ratingbedingungen hinausgehen.
  • Ein neues Behandlungsverfahren wird in einem einzigen ausführlichen Teamgespräch abgehandelt und weiterdelegiert in die konkrete Umsetzung.

Patienten sind, was Feedback betrifft, am schnellsten, direktesten und ehrlichsten. Auch in diesen Zeiten der ausgesprochen hohen Erwartungshaltung im Dienstleistungsbereich gibt es noch viele Patienten, die dem Zahnarzt für seine Arbeit ausgesprochen dankbar sind. Genießen Sie das Lob, die Blumen, den Champagner und die Pralinen und sehen Sie es als ausgesprochenes Erfolgserlebnis an, in diesem diffizilen zwischenmenschlichen Bereich derartige
Erfolgserlebnisse zu erzielen.

6. Die eigene Selbstbestätigung rekrutiert sich nur zum Teil aus dem Beruf.

Sicherlich tragt es zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins bei,

  • ein bekannter Zahnarzt zu sein,
  • eine erfolgreiche Praxis zu führen,
  • gesellschaftlich hohes Ansehen zu genießen und
  • gutes Geld zu verdienen.

 

Aber, nobody is perfect", wir alle machen Fehler und oft ist es auch bei großen Bemühungen nicht möglich, einen Fall so erfolgreich abzuschließen, wie man das gerne hätte.

Zahnärzte tendieren als typische Einzelkämpfer dazu, diese vereinzelten Misserfolge überzubewerten. Sie nehmen die 98 Prozent der hervorragend gelaufenen Behandlungsfälle nicht mehr wahr, sondern neigen dazu, über einen Misserfolg unglücklich oder missmutig zu werden. In diesen Momenten, die allen sehr vertraut sein dürften, hilft nur ein Privatleben, das den entsprechenden Ausgleich schaffen kann.

Ob Sport, künstlerisches Hobby, Familie und Kinder, gute Freunde oder andere Leidenschaften – jeder braucht unbedingt Bereiche, die vom Beruf abgekoppelt sind und in denen er seine persönliche Selbstbestätigung findet. Aus dem Privatbereich wird die Kraft für den Praxisalltag rekrutiert, nicht umgekehrt.

7. Gönnen Sie sich ein schönes Ambiente.

Wenn Zahnärzte schon viel und intensiv arbeiten müssen, dann bitte wenigstens mit Genuss! Überlegen Sie mal, wie lange Sie gebraucht haben, um Ihre persönliche Lieblingsecke zu Hause zu gestalten. Monate-, oft jahrelang bastelt man an verschiedenen Details, bis es wirklich das eigene Lieblingszimmer geworden ist.
In Anbetracht der Überlegung, dass ein Zahnarzt in der Praxis mindestens fünf Mal soviel Zeit verbringt wie an seinem persönlichen Lieblingsplatz zu Hause, sollte er auch mindestens fünf Mal soviel Zeit auf wenden, die Einrichtung der Praxis für sich optimal zu gestalten. Umgeben Sie sich mit einem Wohlfühlambiente, das Sie inspiriert und beflügelt. Ist das morgendliche Betreten der Praxis verbunden mit einem Gefühl wie „endlich angekommen", dann sind Design und Praxisambiente für Sie stimmig die beste Voraussetzung, um gut gelaunt, gerne und hoch effizient zu arbeiten.
Durchschlagende Wirkung

Im Vergleich zu anderen, technischen Investitionen für die Praxis, sind Farben, Bilder, Lampen, Fußböden und Mobiliar eine relativ günstige Investition. Dafür hat Praxisdesign und Einrichtung jedoch einen anhaltenden Langzeiteffekt. Es macht erheblich mehr Freude, in einem schönen Ambiente zu arbeiten – in erster Linie für Sie selbst. Doch auch die Wirkung auf das Team und die Patienten ist durchschlagend.

8. Holen Sie sich professionelle Hilfe für Aufgaben, die Ihnen nicht liegen oder über die Sie nichts wissen.

Gehen Sie nicht davon aus, Sie müssten ständig und alles selber machen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerne tun und was Sie am Besten können und delegieren Sie den Rest. Denken Sie daran: Ihre Arbeitszeit ist die teuerste in der Praxis. Jeder Profi für ein Fachgebiet wird schwierige Aufgaben schneller und effizienter erledigen, als Sie das könnten. Haben Sie also den Mut und die Courage, zu delegieren und damit Zeit zu sparen.

Zeitmanagement ist heute einer der wichtigsten Wohlfühlfaktoren. In erster Linie geht es darum, Prioritäten für das eigene Leben und die eigene Arbeit zu setzen. Versuchen Sie, Aufgaben und Vorgänge, die Sie für sich nicht als primär eingestuft haben, so schnell wie möglich abzugeben. Das entlastet nicht nur ihren Zeitplan, sondern auch Ihren Kopf. Belasten Se sich nicht laufend mit Vorgängen, die Sie nicht gut bewältigen können. Und geben Sie Verantwortung ab, das macht das tägliche Leben viel leichter.

9. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr eigenes Wohlergehen.

Sprechen Sie ruhig über die positiven Seiten Ihrer Tätigkeit und auch über Ihre beruflichen Erfolge. Entwickeln Sie der Ehrgeiz, beruflich weiter zu kommen, erfolgreich zu werden und damit auch ein gutes finanzielles Ergebnis zu erreichen.

Gewinnen Sie Ihrem Beruf nicht nur die stressigen, sondern auch die humorvollen Seiten ab. Ein Job, der sich so nah am Menschen abspielt wie der Zahnarztberuf, birgt jede Menge Komik und Humor, weil es eben so sehr menschlich ist. Ebenso spielen Lebendigkeit, Wärme und Ausstrahlung eine wichtige Rolle.

10. Schaffen Sie Raum für Freunde, Partner und Familie.

Schützen Sie Ihre Privatsphäre in der Form, als dass Sie den Beruf nicht 95 Prozent Ihrer Zeit beanspruchen lassen. Das Leben spielt sich auf mehreren Spielplätzen ab, nicht ausschließlich auf dem Zahnarztstuhl. Dieser Beruf gibt Ihnen immer noch die sichere wirtschaftliche Basis für ein angenehmes Leben.

Also leben Sie es! Und geben Sie sich die Chance, rundherum glücklich zu sein, eingebettet in Freunde und Familie, mit einer erfolgreichen Praxis als angenehme Zugabe.

Praxismanagement

Dr. Martina Obermeyer
Kochelerstraße 1
82444 Schlehdorf
www.aufwind.org

SICH NIE MEHR AUSGEBRANNT FÜHLEN

SICH NIE MEHR AUSGEBRANNT FÜHLEN

WEGE AUS DEM BURNOUT

von Dr. Martina Obermeyer

Immer mehr Menschen leben in einem Zustand, der sich am besten als ,Halbgesundheit" beschreiben lässt. Zu ihnen gehören auch Mediziner und Zahnārzte. Kein Wunder, denn die beruflichen Anforderungen sind hoch und der Arbeitsalltag Kräfte raubend. Aber ein Zahnarzt kann etwas unternehmen, um einem Burnout vorzubeugen.

Die zahnmedizinische Behandlung erfordert Hochkonzentration, sechs bis acht Stunden am Tag, in einer unphysiologischen Körperhaltung. Hinzu kommen vielfaltige weitere Aufgaben, wie Patientengespräche, Praxisorganisation, Personalführung, Korrespondenz, Therapieplanung, Gespräche mit dem Labor oder den Technikern.

Nicht zu vergessen sind die persönlichen Zusatzaufgaben, wie Fortbildung und Fachliteratur lesen. Familie, Freunde, Sport und auch die eigene Gesundheit erhalten nicht die ausreichende Aufmerksamkeit. Stress und Burnout lassen dann nicht lange auf sich warten.

Im Durchschnitt macht sich ein Zahnarzt mit etwa dreißig Jahren selbstständig. Es folgen die anstrengenden Jahre des Praxisaufbaus. Steht die Refinanzierung der eigenen Praxis dann auf festen Füßen und ist das Team eingearbeitet, wird die Praxis zur Routine – und die Arbeitsabläufe oder praxisinterne Gewohnheiten nicht mehr tagtäglich hinterfragt. Zudem verliert die Praxis nach der Aufbauphase zunehmend an Bedeutung, der private Bereich wird wichtiger. Es fehlt dem Zahnarzt vor allem die Zeit, aber auch die Motivation, sich um seine Praxis zu kümmern, die gut funktioniert und wirtschaftlich erfolgreich ist.

Dies ist in der Regel auch der Moment, in dem das Team der „Aufbauphase", das harmonisch zusammen gewachsen und gut eingespielt ist, sich altersbedingt verändert. Die Zahnmedizinischen Fachangestellten aus der Gründerzeit" bekommen Kinder.

Solange noch Antrieb da ist, geht's ab wie bei einer Rakete.

Die Patientenfälle gestalten sich schwieriger, denn die Praxis hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Zudem steigen die Ansprüche der Patienten und werden komplexer. Insgesamt führt das zu einer hohen Erwartungshaltung der Klientel bei der fachlichen Qualität, beim Patientenservice, bei der persönlichen und individuellen Betreuung. Da die Praxis ein Selbstläufer geworden ist, der scheinbar keine Probleme bereitet, setzt der Zahnarzt beruflich stärker auf Routine und konzentriert sich mehr auf den Privatbereich. Aber unter der Oberfläche der professionellen Routine entstehen Schritt für Schritt kleine Risse im Fundament der Praxis.

 

Dies ist ein langsamer aber stetiger Prozess, der sich überwiegend im Unbewusslen abspielt. Erst wenn die Auswirkungen stärker werden, beschäftigt sich der Betroffene damit. Eire ab und zu auftretende Müdigkeit, gelegentliche Lustlosigkeit, sich der täglichen Fülle der Praxisaufgaben zu stellen, Erschöpfungsgefühle, Nervosität, Muskelverspannungen oder einfach das Gefühl, dass einem alles zu viel wird – das alles sind erste Anzeichen für einen Burnout.

Der Begriff „Burnout" kommt aus der Raketentechnik und bedeutet wörtlich übersetzt „Brennschluss". Dies ist genau der Zeitpunkt, in dem das Triebwerk einer Rakete abgeschaltet wird und der antriebslose Flug beginnt.

Die Definition des Begriffes in der pädagogischen Fachliteratur versteht unter Burn-out ein „neuerdings verstärkt diskutiertes Phänomen der körperlichen und seelischen Erschöpfung in der Berufswelt". Und weiter: „Nach mehrjährigem beruflichen Einsatz zeigt sich ein starkes Schwinden der Motivation und Energie im Beruf." (Stimmer et al. 1996).

Diese körperlichen Erschöpfungszustände oder das „Schweben im luftleeren Raum" sind uns allen – zumindest ansatzweise – bekannt. Statistisch gesehen sind vor allem Zahnärzte zwischen 38 und 48 Jahren davon betroffen. Werden die ersten Burnout-Anzeichen - Müdigket, Erschöptung und Lustlosigkeit - übergangen, können sich diese Symptome innerhalb weniger Jahre bis zur vollständigen Handungsunfähigkeit verdichten. Auch wenn der Praxisalltag noch gemeistert wird, funktioniert der Zahnarzt nur noch. Er hat keine Freude mehr an seinem Beruf, ist innerlich leer und antriebsarm. Es kommt also zu einer inneren Spaltung zwischen automatisierten Arbeitsablaufen und einer fehlenden inneren Beteiligung. Reagiert der Behandler auch in diesem fortgeschrittenen Stadium nicht, kann sich das Vollbild des Ausgebranntseins ausbilden, was gleichbedeutend ist mit der Unfähigkeit, die täglichen Aufgaben noch zu bewältigen. Dazu kommt noch ein Aspekt, dem gemeinhin viel zu wenig Beachtung geschenkt wird: Zahnärzte behandeln den ganzen Tag „hautnah". Laut Samy Molcho gibt es eine individuelle Sicherheitszone um uns herum, die wir unbewusst schützen. Dies ist ein Radius von zirka 60 Zentimetern um den eigenen Körper, der normalerweise nur von unseren Sexualpartnern und Kindern unterschritten wird -doch auch dann nicht acht Stunden durchgehend im Wachbewusstsein. Der Zahnarzt hingegen arbeitet innerhalb dieser Sicherheitszone an jedem Patienten und meist noch gleichzeitig mit ein bis zwei Helferinnen. Das kostet Kraft, obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Das Gefühl, nach einem vollgepackten, hektischen Praxistag völlig leer zu sein, ist bekannt. Damit das Gefühl des Burnouts nicht zum Dauerzustand wird und man persönlich Kraft schöpfen kann, gilt es, die Symbiose von drei Faktoren zu begutachten: die kognitive Intelligenz (IQ), die emotionale Intelligenz (EQ) und die Health-Quality". Letztere ist ein Konzept, das die „körperliche, geistige, emotionale und soziale Ressourcenentwicklung" umfasst.

Zu Beginn ist es wichtig, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen:

 

Diese Ziele und Einsichten sollten nach Wichtigkeit geordnet werden.

Entsprechend dieser Prämissen kann eine Neuausrichtung des Berufsbildes und der Praxisorganisation erfolgen. Eine Möglichkeit ist es, neue Mitarbeiter zur persönlichen Entlastung einzustellen (Assistent, Prophylaxehelferin, Praxismanagerin). Je nach Persönlichkeitsstruktur des Praxisinhabers ist die Entlastung mehr im fachlichen oder im organisatorischen Bereich erforderlich. Auch ist eine Neugestaltung der Praxis denkbar, die den neuen Zielen und Visionen entspricht (Farbe, Logo, Raumgestaltung). Dabei sind viele kleine Schritte, die auch umgesetzt werden, sinnvoller, als umwälzende Generalveränderungen, die nur im Kopf stattfinden.

KREATIVITÄT BRAUCHT ZEIT

Wichtig für eine dauerhafte Burnout-Prophylaxe sind persönliche Freiräume. Kreativität lässt sich nicht in einen 18-stündigen Arbeitstag integrieren, sondern braucht Zeit. Die Überprüfung des Ist-Zustandes lässt sich nicht innerhalb des Praxisalltags bewältigen, sondern erfordert eine „Auszeit", am besten mit räumlicher Distanz und professioneller Begleitung. Der Zahnarzt kann oft erst mit dem nötigen Abstand einen klaren Blick auf die eigene Situation entwickeln. Im Alltag ist er für viele Details betriebsblind. Daher sollte rechtzeitig auf die kleinen Symptome und Zeichen geachtet werden. in den Anfängen lassen sich Unausgewogenheiten viel leichter ausbalancieren. Jeder sollte sich sich täglich etwas gönnen - für Körper, Geist und Seele- und mit seinen Kräften ökonomisch umgehen, indem er seinen ganz persönlichen Energiehaushalt wahrnimmt und ausgleicht.

Zu den möglichen, individuellen Lösungsmöglichkeiten zählen

Innere Ausgeglichenheit und äußere Balance sorgen für Stabilität, die Zahnärzten die Möglichkeit gibt, die Schwierigkeiten und Probleme des Praxisalltags besser abzupuffern und zu meisten. Wer diese Eigenverantwortung für die eigene Balance übernimmt und sich anbietende Gelegenheiten (Auszeiten, Seminare) nutzt, gerät auch durch schwer abwägbare Risiken oder Ereignisse von außen nicht so schnell aus dem inneren Gleichgewicht. Er behält einen klaren Kopf und bewegt sich immer noch im grünem Bereich". Um in ihrem anstrengenden Beruf langfristig Spaß und Erfolg zu haben gilt es für Zahnärzte, die rote Dekompensationszone" zu vermeiden. Dann brennen sic auch nicht aus, sondern können gelassen die Früchte ihrer Arbeit ernten.

Dr. Martina Obermeyer
Kocheler Straße 1
82444 Schlehdorf

zm Praxismanagement

DIE SERVICEPRAXIS BLÜHT!

DIE SERVICEPRAXIS BLÜHT!

EIN GEWINN FÜR PATIENTEN UND TEAM

von Dr. Martina Obermeyer

Zahnheilkunde bedeutet mehr als bohren und angespannt über Patienten schwitzen - gerade weil unsere Klientel heute zunehmend aufgeklärter, anspruchsvoller und schwieriger wird. Besonders die naturheilkundlich orientierten Praxen, die sich intensiv mit dem Menschen als ganzes System und insbesondere auch mit der Psyche beschäftigen, sind diesbezüglich besonders gefordert. Wir alle kennen Patienten, die uns zeit- und kräftemäßig über Gebühr beanspruchen, was für den Zahnarzt nicht zu jedem Zeitpunkt leicht zu erbringen oder abzupuffern ist.

Eine nach allen Regeln der Kunst installierte Servicepraxis entlastet insbesondere den Behandler, und ist für Patienten und das gesamte Team gleichermaßen angenehm und gut umzusetzen.

WAS BEDEUTET SERVICEPRAXIS NUN IN VOLLEM UMFANG?

In erster Linie geht es um die perfekte Patientenbetreuung. Entspannung ist hier das Zauberwort! Kaum ein Patient betritt entspannt und gut gelaunt eine Zahnarztpraxis, es sei denn, er wäre kariesfrei, ohne parodontales Problem und würde nur zu einer Untersuchung und bestenfalls zu einer zarten Prophylaxe in die Praxis kommen. Nervöse und ängstliche Patienten bedeuten für uns als Behandler einen erheblichen Mehraufwand. Sie verhindern durch die angstbedingte Anspannung ein angenehmes und unkompliziertes Arbeiten. Durch die Nervosität ist der gesamte Muskeltonus erhöht, die Salivation weit über dem Normalbereich und eine mögliche motorische Unruhe am Stuhl kann speziell bei längeren Eingriffen für alle Beteiligten eine schweißtreibende Herausforderung darstellen.

Können wir als Team Patienten öffnen und entspannen, haben wir wunderbare Arbeitsbedingungen. Eine einwandfreie Mundöffnung, keinen Würgereiz, dadurch unproblematische Abdrücke. Auch längerer Eingriffe, wie Chirurgie und Parodontologie oder große Präparationen, werden zu einem wirklichen „Arbeitsvergnügen", unter diesen Bedingungen qualitativ exzellente Arbeit möglich wird mit ebenso stabilen Langzeitergebnissen. Eine entspannte und angenehme Arbeitsatmosphäre schafft insgesamt eine deutlich bessere Patientencompliance mit langfristigen Behandlungserfolgen. Wichtige Voraussetzung für den Praxiserfolg über viele Jahre sind Behandlungsfälle, die auch über definiert längere Zeiträume gut funktionieren.

DAS TELEFON IST DIE VISITENKARTE IHRER PRAXIS

Der sprichwörtliche erste Eindruck einer Praxis beginnt in den allermeisten Fällen am Telefon. Hier entsteht für Patienten bereits eine lebhafte Vorstellung, in welcher Praxis sie gelandet sind, in welcher Atmosphäre behandelt wird und wie Patientenanliegen in dieser Praxis behandelt werden. Da visuelle Eindrücke am Telefon wegfallen, kommen strahlend blaue Augen oder andere optische Vorzüge hier nicht zum Hingegen ist der Umgangston entscheidend, die Freundlichkeit und vor allem der Klang der Stimme, sowie eine geschulte Rethorik im Umgang mit den Wünschen des Patienten. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Vereinbarung eines Druckstellentermins keine 15 Minuten in Anspruch nehmen darf, selbst wenn der Patient zeitlich nicht viel Spielraum hat. Gleichermaßen muss dem Patienten das Gefühl vermittelt werden, es geht ausschließlich um ihn, obwohl dieser Zusatztermin auch ins allgemeine Praxisbestellsystem störungsfrei einzugliedern ist. Ebenso ist ein Telefonstandard selbstverständlich, der in Art und Form der Meldung am Telefon für das gesamte Team verbindlich ist.

Perfektes Telefonieren ist eine Kunst, die erlernt werden kann und braucht vor allem Übung! Hierzu empfehlen sich Kommunikations- oder Telefonseminare, die dann in der Praxis individualisiert immer durchgängiger angewendet werden können. Diese Schulungen sollten das gesamte Team einschließen, da in der Regel alle irgendwann einmal ans Telefon müssen, auch die Auszubildenden. Unter dem Gesichtspunkt, dass die Rezeption der wichtigste Marketingfaktor einer Praxis ist, lohnt sich das immer!

Ein kleines Beispiel einer installierten Servicepraxis ist der sogenannte Rückrufservice:

Wir haben schon vor Jahren in der Praxis eingeführt, Patienten nach längeren Behandlungen, insbesondere Präparationen, Operationen oder Parodontalbehandlungen am nächsten Tag zurückzurufen. Eine kurze Nachfrage, wie die Befindlichkeit ist, ob Schmerzen aufgetreten sind oder eine Schwellung, wie die Nacht verlaufen ist und ob man etwas für den Patienten noch unterstützend tun könne. Entsprechend dem homöopathischen Prinzip „kleiner Anstoß - große Wirkung" ist der Effekt eines derartigen Rückrufs enorm! Patienten, die das zum ersten Mal erleben, sind in der Regel überwältigt. Sie fühlen sich ausgezeichnet betreut, bekümmert und in keiner Weise alleine gelassen. Viele Kleinigkeiten, Unsicherheiten und Ängste lassen sich am Telefon unproblematisch erklären und vermitteln dem Patienten die Sicherheit, dass auch wirklich alles in Ordnung ist. Bei Schwierigkeiten hat es den Vorteil, dass bei Patienten, die sich unter Umständen nicht von alleine melden würden, frühzeitig ein Symptom als nicht regulär erkannt wird und man ihn umgehend einbestellt, um weitere, schwerwiegendere Konsequenzen zu verhindern. Insbesondere in naturheilkundlich orientierten Zahnarztpraxen gibt es einen signifikant höheren Anteil an Patienten mit langem Anfahrtsweg und gerade für diese Zielgruppe ist ein Rückrufservice sehr angenehm. Neben den klaren Prämissen für einen Telefonstandard und dem damit verbundenen Service sollten in einer Praxis auch die allgemein gültigen Kommunikationsregeln genau festgelegt werden.
Kommunikation in der Praxis findet auf allen Ebenen statt: Stimme, Sprache, Körpersprache

Am Telefon ist das Signal der Körpersprache nicht wahrnehmbar, das mit 55 % den höchsten Informationsgehalt auf der Kommunikationsebene besitzt. Hingegen ist über die Stimme und Tonlage (38 % der Kommunikation) sowie über den Gebrauch der Sprache (7 %) für den Patienten noch eine Menge spürbar.

Internetauftritte und Praxisprospekte können wunderschön sein, überzeugend in der Praxis ist jedoch die Livevorstellung. Wenn wir Patienten im direkten Kontakt in der Praxis nicht wirklich überzeugen können, nützt uns die beste Darstellung im gesamten Medienbereich nichts. Auf der Kommunikationsebene bedeutet dies, je authentischer man kommunizieren kann, um so überzeugender wirkt man. Unsere heutige topversierte Rezeptionistin musste vor 6 Jahren auf

Grund multipler Schwangerschaften kurzerhand im zweiten Lehrjahr den Rezeptionsbereich übernehmen. Die Abbildung 1 ist ein Foto aus dieser Zeit und ein wunderbares Beispiel, wie man fachliche Defizite durch Personlichkeit und gut geschulte Kommunikation ausgleichen kann ...

Widersprüchliche Signale von Sprache und Körpersprache verwirren den Patienten. Dies geschicht unbewusst, er könnte im Moment nicht einmal genau formulieren, was hier nicht stimmig wäre. Es gilt also nicht, antrainierte oder auswendig gelernte Formulierungen an den Mann zu bringen, sie müssen schon mit der inneren Einstellung kongruent sein, um wirklich überzeugend, vertrauenswürdig und vor allem charmant zu wirken. Genau so wenig ist zu erwarten, dass man mit Patienten anders kommunizieren könne als im Team untereinander. Hier zählt die tägliche, gelebte Praxis und die Umgangsformen innerhalb des Teams übertragen sich automatisch auf alle, die mit den Teammitgliedern in Kontakt kommen. Wir haben seit Jahren genau definierte Höflichkeitsstandards innerhalb der Praxis festgelegt, die untereinander ebenso akribisch praktiziert werden wie mit allen Kontaktpersonen von außen. Am Anfang mutet das etwas seltsam an und beinahe gekünstelt, doch innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich auch hier Automatismen, die eine unglaubliche Außenwirkung entfalteten. Wir bekamen als Team bis heute so viele erfreuliche und begeisterte Rückmeldungen, dass wir davon selbst ganz überrascht waren. Der tiefergreifende Effekt dieses neuen Umgangs erstreckt sich auf weite Bereiche: Es gibt viel weniger Rückfragen von Patienten, große Erklärungen für Zuzahlungen etc. sind nicht mehr nötig, die Leistung verschiedener Unterschriften auf Formularen kein Thema mehr. Insgesamt würde ich diese authentische Kommunikation auf allen Ebenen als großartige, vertrauensbildende Maßnahme bezeichnen. Sie erleichtert in der Praxis nicht nur die Verständigung des Teams, sondern insbesondere auch den Umgang mit Patienten auf eine wunderbare Art.

SERVICE IST ECHTE, LIEBEVOLLE MENSCHLICHKEIT

Patienten möchten mit all ihren Ängsten und Vorbehalten, mit allen Facetten ihrer Persönlichkeit wahrgenommen werden. Jeder spürt sofort intuitiv, ob er als Person ganzheitlich angenommen wird oder einen für die Praxis notwendigen Umsatzträger darstellt. Es ist entscheidend, den liebevollen Umgang als Behandler vorzuleben, unser Team richtet sich unwillkürlich danach aus.

Service beginnt mit der perfekten Begrüßung und endet mit der Verabschiechung, die dem Patienten definitiv am längsten im Gedächtnis bleibt. Der Begrüßungsstandard in unserer Praxis bedeutet:

 

 

Auch die Angaben über die Wartezeit beinhalten einen wertschätzenden Umgang mit der Zeit unserer Patienten.

Je patientenorientierter das gesamte Team eingestellt ist und agiert, umso stärker sind wir als Zahnärzte entlastet. Wir können uns dann viel besser auf die technische und oftmals schwierige Seite der Behandlung konzentrieren, ohne uns primär mit der Patientenpsyche und deren „Handling" auseinandersetzen zu müssen. Dadurch entsteht ein wesentliches entspannteres Arbeiten für alle, insbesondere spürt jedoch der Behandler, dass die Sitzungen am Stuhl bei weitem nicht mehr so kraftraubend sind wie früher.

All diese Details scheinen im einzelnen unspektakulär und nichts Besonderes zu sein der große Effekt liegt in der Summe der 1000 Kleinigkeiten, die täglich anders gehandhabt werden. Die serviceorientierten Amerikaner haben dafür einen wunderbaren Spruch geprägt, der dies präzise ausdrückt:

Attitude is a little thing that makes a big difference

Es sind die innere Haltung und Grundphilosophie, die unser Verhalten auf allen Ebenen prägen. Daher sind das schriftliche Fixieren einer Praxisphilosophie, diverser Standards und Anliegen mit dem gesamten Team die Grundlage für alles, was die Servicepraxis zu leisten imstande ist.

Insgesamt ist dies ein spannender Weg mit einem Hauch von Abenteuer!

Viel Spaß beim Beginn und weiteren Weg!

Dr. Martina Obermeyer
Kocheler Str. 1
82444 Schlehdorf am Kochelsee
Seminare und Praxis-Coachings
info@aufwind.org
Tel. 08851 - 615691

Literatur beim Verfasser

Dr. Martina Obermeyer
Internationale Vorträge und Lehrtätigkeit

1958 Geboren in Straubing
1980-1985 Studium der Zannheilkunde
1988 Erste eigene Praxis als Mitglied einer Praxisgemeinschaft
1989 Übernahme der väterlichen Praxis in Straubing
1992 Heilpraktiker-Prüfung
1994 Praxisüberrahme in Kochel an See
1999 Auszeichnung zahnärztliche Unternehmerin des Jahres in Deutschland
Seit 2000 Leitung Aufwind Consulting GmbH in Schlehdorf
Internationale Vorträge und Lehrtätigkeit
Seit 2005 Privatzahnärztin

GZM - Praxis und Wissenschaft 11. Jg. 3/2006

PERSÖNLICHKEIT ALS ARBEITSGRUNDLAGE

PERSÖNLICHKEIT ALS ARBEITSGRUNDLAGE

PRAXISMANAGEMENT

von Dr. Martina Obermeyer

Zu dieser Zeit, in der auf allen Gebieten Höchstleistungen gefordert werden, gehören die Zahnärzte zu einer Berufsgruppe, bei der sich Berufliches und Privates nicht wirklich trennen lässt. Je nach Lebensabschnitt werden dabei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.

Permanente Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung, eine allgemein wirtschaftlich problematische Situation in Deutschland und ständig steigende Kosten für die Praxis bringen die Zahnärzte in eine Situation, ihre Praxis als Unternehmen neu zu betrachten und zu definieren. Kalkulationen, differenziertes Leistungsangebot und klare Kosten Nutzenüberlegungen werden für den Zahnarzt von heute zu einer Conditio sine qua non. Dazu kommt je nach Lebensalter die Praxisfinanzierung oder die private Vorsorge für den Lebensabend. In den Jahren dazwischen müssen private Bedürfnisse, familiäre Situationen und gesundheitliche Notwendigkeiten finanziert werden. Der Zahnarzt wird in Deutschland zwar hervorragend fachlich ausgebildet, jedoch nicht betriebswirtschaftlich. Sofern man diese betriebswirt- schaftlichen Fähigkeiten nicht durch familiäre Umstände bereits in die Wege gelegt bekommen hat, belasten sie einen Zahnarzt zusätzlich zu all den Schwierigkeiten des Praxisalltags enorm. Er ist nicht in der Lage, konkret entscheiden zu können, was für ihn persönlich die richtige Lösung darstellt. Er kann es nicht wirklich vergleichen, weil ihm das Basiswissen dazu fehlt. Außerdem ist für diese Entscheidungsfähigkeit mit weitreichenden Konsequenzen ein grundsätzlicher Lebensplan erforderlich. Innerhalb der mindestens 30 Jahre des aktiven Berufslebens gibt es verschiedene Lebensphasen mit individueller Gewichtung. Die persönliche Lebensphilosophie ist jedoch die Grundlage für die Art der jeweiligen Praxis.

 

Es stellen sich grundlegende Fragen.

 

Die persönliche Lebensphilosophie des Zahnarztes entscheidet über die Ausrichtung der Praxis.

Die Persönlichkeit wird durch bestimmte Aspekte ausgemacht. Anhand der drei Säulen ,Beruf", Familie" und Freizeit" lässt sich die Authentizität ablesen, die für jeden individuell verschieden aussieht Authentizität bedeutet laut Duden ,Echtheit", ,Zuverlässigkeit" und ,Glaubwürdigkeit" Dieses ,Echtsein", diese authentische Haltung und das äußere Verhalten bilden die Basis für die jeweils persönliche Lebensphilosophie. Diese wiederum ist eine Frage des Persönlichkeitstyps, des Charakters und der augenblicklichen Ist-Situation. Zudem ändert sich die persönliche Lebensphilosophie mit den Jahren entsprechend den Lebensphasen, die man gerade durchlebt. Daher sollte man für sich eine persönliche Zielsetzung spätestens alle fünf Jahre neu formulieren. Es ist ein Unterschied, ob ein Zahnarzt zum Ende seiner Assistenzzeit seine beruflichen und privaten Ziele festlegt, oder zehn Jahre nach selbstständiger Tätigkeit und beispielsweise einer Scheidung - oder mit 60 Jahren, im Hinblick auf ein Leben ohne Praxis. je klarer sich der einzelne über den Zuschnitt seiner Persönlichkeit und die augenblicklichen Bedürfnisse ist, umso authentischer kann er sein Leben beruflich wie privat ordnen.

Zu der persönlichen Lebensphilosophie eines Praxisinhabers muss auch das Mitarbeiterteam passen Sinn eines Teams ist es, verschiedene Persönlichkeitsfacetten in einer Praxis zu repräsentieren. Diese verschiedenen Persönlichkeiten müssen jedoch alle kompatibel sein zum Praxisinhaber und seiner Philosophie.

Ebenso werden das Design und die Ausstattung der Praxis den Persönlichkeitstyp des Behandlers repräsentieren. Ob klar, nüchtern, sachlich, in weiß, Clas, Chrom oder eventuell blau, oder mit Holzmöbeln, gelb, rot, grün und eher verspielten Elementen, hängt vom Geschmack des Zahnarztes und seiner Vorstellung von Wohlfühlambiente ab.

All dies sind nonverbale Botschaften über die Persönlichkeit des Praxisinhabers. Auch gehört die Corporate Identity – mit Farben, Schild, Briefkopt, Briefpapier und all den anderen Accessoires- zu diesen nonverbal wirksamen Zeichen. Die Corporate Identity repräsentiert hoch verdichtet das Lebensgefühl und die Idee, die hinter dem Praxiskonzept stehen. Dementsprechend gestaltet sich die Zielgruppe jeder einze nen Praxis. Hierzu stellen sich grundsätzliche Fragen.

 

Nach genau diesen Kriterien richtet sich auch die individuelle Spezialisierung der Praxis. Auch das Leistungsportfolio einer Praxis hängt von den Präferenzen des Praxisinhabers ab. Jede Form von Spezialistentum basiert auf einer Leidenschaft. Ob diese Leidenschaft der Endodontie gilt oder der Implantologie, ist eine Frage des Behandlertyps. Die Basis für Motivation wird durch folgende Aspekte gebildet:

 

 

Motivation wird dabei von verschiedenen Ebenen aus betrachtet: Für den Praxisinhaber, für die Mitarbeiter und für die Patienten. Motivation auf diesen drei Ebenen ist nur bei echter Authentizität möglich. Der Praxisinhaber selbst ist der Magnet einer Praxis. Um ihn gruppieren sich das Mitarbeiterteam und die Patienten. Wie bei einem Magneten richten sich Mitarbeiter und Patienten nach ihm aus. Es gilt: „Jeder hat die Patienten, die er verdient." Wir vermitteln den ganzen Tag über bestimmte Botschaften über unsere Persönlichkeit und bekommen entsprechende Resonanz von unserer Umwelt zurück.

AUTHENTISCH VERHALTEN

Je authentischer und echter man sich verhält und nach Außen zeigt, um so leichter lebt es sich im Beruf. Wenn man sich so geben kann, wie man ist, getragen von einem harmonischem Team, das mit einem selbst auf einer Wellenlänge liegt, kann das echte Patientenbegeisterung erzeugen. Diese Begeisterung in eine langfristige Patientenbindung zu verwandeln macht nur Sinn, wenn es genau die Leute sind, mit denen man den Rest seines Berufslebens verbringen möchte; exakt die Patienten, die zu einem passen. Für den Praxisinhaber hat dies im Gesamtergebnis positive Folgen.

 

 

Die viel beklagte Selbstständigkeit hat nicht nur Nachteile, sondern auch enorme Privilegien. Ein Privileg ist zum Beispiel die Möglichkeit der Selbstverwirklichung in der Praxis. Denn die Praxis soll nicht nur dem Patienten eine Wohlfühlkomponente bieten, sondern auch dem Zahnarzt. Wieviel Zeit nimmt man sich zum Beispiel, um sich eine Wohnzimmercouch auszusuchen? Durchschnittlich drei bis vier Monate, je nach Perfektionismus und Geschmack. Realistisch betrachtet verbringt man als Zahnarzt auf seiner Wohnzimmercouch maximal zehn Prozent der Zeit, die man in der Praxis verbringt. Aus dieser Überlegung heraus sollte man sich für die Einrichtung der Praxis mindestens zehn Mal so viele Gedanken machen und Zeit nehmen, wie für die Ausstattung des Wohnzimmers. Je passender eine Praxis zum Behandlertyp eingerichtet und ausgestattet ist, umso wohler fühlt man sich dort. Das bedeutet eine deutlich erhöhte Leistungsfähigkeit und viel mehr Freude an der Arbeit. Dadurch entsteht ein neues Lebensgefühl, das die Bewältigung der täglichen Krisen – und Stresssituationen wesentlich vereinfacht.

Auf unvorhergesehene Katastrophen hat man keinen Einfluss, auf die Gestaltung der eigenen Praxis wohl. Die Spezialisierung kann eine echte Chance sein. Als Selbstständiger hat man nicht nur die Last der Eigenverantwortung, sondern auch die Möglichkeit der Eigengestaltung. Es kann auch ein Geschenk sein, keinen Chef zu haben, um sich wirklich mit den Gebieten der Zahnheilkunde zu beschäftigen, die einem ausgesprochen wichtig sind. Mindestens die Hälfte seines Arbeitstages mit Lieblingsbeschäftigungen zu verbringen, macht ebenfalls viel mehr Spaß, als mit so genannten „Pflichtübungen". Erfolg inspiriert und motiviert. Begeisterte Mitarbeiter, ein motiviertes Team und eine harmonische Arbeitsatmosphäre und -umgebung stellen eine ganz neue Basis für Patientenbindung dar. Dabei geht es nicht nur um langfristige Bindung, sondern auch um echte Begeisterung. Je wohler man sich in seiner eigenen Praxis fühlt, umso leichter und spielerischer geht einem die Arbeit von der Hand und umso mehr kann man sich auf das „soziale Handling" mit den Patienten konzentrieren.

RÜCKEN FREIHALTEN

Das gleiche gilt für die eigenen Mitarbeiter, wenn sie im Praxisservice geschult und ausgebildet wurden. Es erleichtert dem Praxisinhaber die Arbeit und hält ihm den Rücken frei für ausgesprochene Chefaufgaben, die ausschließlich er in der Praxis ausführen kann. Beispielsweise kann der Zahnarzt als einziger implantieren, während Telefonate zu 90 Prozent von seinen Mitarbeiterinnen übernommen werden können. Welchen Sinn macht es, sich in so einem umfangreichen Maße persönlich darzustellen? Viele wollen gar nicht soviel von ihrer Persönlichkeitsstruktur zeigen. Patienten und Mitarbeiter sind den ganzen Tag in engem Kontakt mit dem Praxisinhaber, und es wäre eine Illusion zu glauben, er würde dadurch nicht genauestens wahrgenommen werden. Allein durch die räumliche Nähe ist das unvermeidbar.

Je authentischer er sich nun verhält, je „echter", umso mehr Vertrauen wird er bei Patienten und Mitarbeitern auslösen. „Persönliches Outing" führt unmittelbar zu einer klaren, bestechenden Glaubwürdigkeit. Da fachliche Kriterien für Patienten und auch für manche Mitarbeiter nur bedingt greifbar sind, wird sich das Patientenvertrauen und die allgemeine Glaubwürdigkeit immer auf der persönlichen Ebene manifestieren. Die fachliche Kompetenz ist dabei in der Beurteilung zweitrangig, weil sie von den meisten nicht eingeschätzt werden kann. Authentizität und Glaubwürdigkeit hingegen werden von jedem einzelnen wahrgenommmen, der die Praxis betritt. Dies zu erkennen ist eine Frage der so genannten emotionalen Intelligenz. Der gefühlsmäßige Instinkt, bei jedem einzelnen zweifelsfrei vorhanden, ist nicht rational korrumpierbar, lässt Patienten Vertrauen fassen und entscheidet, in welcher Praxis er bleiben möchte und wo nicht. Schwierige Patientenfälle, komplexe Persönlichkeitstypen, die den Zahnarzt fachlich wie psychisch an die Grenze bringen, sind heute keine Seltenheit. Je authentischer sich der Zahnarzt verhalten kann, umso klarer ist er vor allem im Umgang mit schwierigen Behandlungsfällen, ohne sich in irgendeiner Form verbiegen zu müssen. Diese Klarheit überträgt sich auch auf Mitarbeiter und Patienten. Insgesamt ist die ganze Praxisatmosphäre entspannter. Auf der Basis dieser entspannten Praxisatmosphäre setzt der Behandler neue Energiereserven frei, Die Arbeit fällt ihm leichter und kostet ihn nicht mehr soviel Kraft. Die klare Kommunikation verhindert Reibungsverluste mit Mitarbeitern und Patienten und setzt dadurch insgesamt mehr Kapazitäten frei. Diese Kapazitäten kann man für Patienterbehandlung, Fortbildung, Teamarbeit, Hobbies oder für den Schwerpunkt Familie verwenden.

Wenn die Motivation des Praxisinhabers stimmt, überträgt sich das auch auf Mitarbeiter und Patienten.

ZUFRIEDENHEIT

Es lohnt sich, die Praxis als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu sehen. Das verschafft eine große Zufriedenheit bei vielem, was man dort tut. Im Sinne des Salutogenesemodells nach Antonovsky ist es im ureigensten Interesse des Praxisinhabers, sich sein Arbeitsleben so gesundheitsfördernd und Gewinn bringend wie möglich zu gestalten. In diesem Modell zeigt er keine Ermüdungserscheinungen im Vergleich zu den Aufgaben, die er ungern erledigt, und das setzt eine große Motivation frei – für ihn selbst, die Mitarbeiter und die Patienten. Je wohler sich ein Zahnarzt fühlt und je mehr Authentizität er sich zugesteht, umso besser sind auch seine Therapieerfolge. Dann ist die Notwendigkeit, strikt zwischen Beruf und Privatleben zu trennen, in diesem Ausmaß auch nicht mehr vorhanden. Statt Persönlichkeitsteile abzuspalten ist ein facettenreiches Leben einer komplexen Persönlichkeit eine wesentlich gesündere Idee. Dies ist die beste Burn-out Prophylaxe und kann Zahnärzte an ihrem Beruf Spaß und Freude haben lassen – Jahrzehnte lang.

Dr. Martina Obermeyer
Kocheler Straße 1
82444 Schlehdorf

zm 93, Nr. 1, 1.1. 2003

Praxismanagement

PATIENTENBINDUNG

PATIENTENBINDUNG

DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGS

von Dr. Martina Obermeyer

RHYTHMUS UND KONTINUITÄT

Eine der seltensten und größten Leistungen der modernen Zeit ist das Aufrechterhalten und Lebendig-Gestalten von Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften. Wie in persönlichen Beziehungen ist es heute ähnlich schwierig, Patientenbindungen auf ein dauerhaftes Fundament zu stellen, das über viele Jahre Gültigkeit hat. Der große Erfolg einer Praxis misst sich nicht an Patienten, die ein- oder zweimal die Praxis betreten. Es ist auch nicht so schwierig, eine anfängliche Begeisterung bei neuen Patienten zu erreichen, wenn man gerade die richtige, schnelle und schmerzfreie Therapie für das akute Problem anzubieten hat.
Langjährige, treue und v.a. begeisterte Patienten sind die Grundlage einer erfolgreichen Praxis!

Auf dieser Basis kann man als Zahnarzt auch verkraften, dass einige Patienten sich als nicht-kompatibel herausstellen und die Praxis wieder verlassen.

 

Im dritten Jahrtausend sind neue Spielregeln gültig, die Zeit ist schnelllebiger, großen und umwälzenden Veränderungen unterworfen und die aktuellen Medienformen unterstützen diese Hochgeschwindigkeit. Für uns als Zahnärzte bedeutet das, dass wir selbstverständlich mit diesen Medien arbeiten müssen. Während vor 15 Jahren eine vom Grafiker gestaltete Visitenkarte mit Logo schon guter Stil war, ist Marketing heute ohne eine informative und professionelle Homepage gar nicht mehr vorstellbar. Zudem kann es nur als patientenfreundlich empfunden werden, die neuen Medien 2. B. für digitales Röntgen zu nutzen. Schnelles und unkompliziertes Schicken von Aufnahmen per mail direkt während der Stuhlbehandlung an eine Überweiserpraxis ist maximaler Service mit minimaler Strahlenbelastung und Zeitaufwand. Auch wenn wir uns auf diese neue Situation einstellen und eine wunderschöne Homepage kreieren, geschicht die echte Überzeugungsarbeit immer noch live in der Praxis! Die Kongruenz zu der ansprechenden Darstellung im Internet muss also absolut gewährleistet sein, um Patienten auch auf Dauer zu behalten.

PATIENTEN HABEN HEUTE DIE WAHL!

Wenn früher Patienten viele Jahre relativ treu als Stammpatienten der gleichen Praxis firmierten und sich sogar problemlos auf Sohn, Tochter oder den passenden Nachfolger übertragen ließen, stellt sich diese Thematik heute wesentlich komplexer dar. Es wäre eine Illusion, zu glauben, Patienten hätten früher nicht die Praxis oder den Behandler gewechselt.

Trotzdem ist Patientenbindung heute eine deutlich vielschichtigere Aufgabe, weil Patienten andere Ansprüche entwickelt haben und neue „Empfindlichkeiten". Außerdem gibt es, realistisch betrachtet, ein Überangebot an Zahnärzten - die Patienten haben also die Wahl.
Wie regeln erfolgreiche Praxen ihr Patientenmanagement?

Eine conditio sine qua non ist hier die Bedeutung der Servicepraxis, wie im Artikel der GZM NJ 3/2006 dargestellt. Erfolgreiche Praxen legen selbstverständlich auch Wert auf Neupatienten, davon sollten Sie mindestens zwei pro Woche haben, pro Behandler. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wird jedoch der Pflege der Stammpatienten gewidmet.

Es kann nicht das Hauptaugenmerk auf der Aquisition von Fällen liegen, wenn gleichzeitig die Basis nicht mehr zufrieden ist und wegzubrechen droht. Das beste Marketinginstrument sind nach wie vor begeisterte Patienten, möglichst über Jahre, die Ihnen auf Empfehlung weitere Klientel schicken. Das bedeutet, dass solch gute Stammpatienten auch spüren sollen, wie wohltuend die Zusammenarbeit mit ihnen ist.

Im täglichen „Handling" kann das so umgesetzt werden, dass ihnen auf jeden Fall so viel Aufmerksamkeit zuteil wird wie neuen Patienten, dass diese Aufmerksamkeit jedoch von einer anderen Intensität sein kann, weil man sich eben schon lange kennt und miteinander vertraut ist.

Persönliche Fragen nach der familiären und beruflichen Situation, genaue Kenntnis der Behandlungsmodalitäten, die vom Patienten bevorzugt werden, Aufmerksamkeiten wie eine Decke oder ein Kissen für den Behandlungsstuhl, oder die Lieblingsassistenz im Sprechzimmer können diese Vertrautheit demonstrieren und verfestigen.

Serviceaspekte wie diese sind nicht in jeder Praxis zu bekommen und machen einen großen Unterschied für den Patienten zu einer sogenannten „normalen" Zahnbehandlung. Diese Form des vertrauten Miteinanders braucht auf jeden Fall Zeit, manchmal Jahre, bis sie so installiert ist und ist auch nicht von einem x-beliebigen Zahnarzt um die Ecke zu kopieren. Als patientenbindende ,Specials" bieten sich die unterschiedlichsten Kleinigkeiten an.

 

Welche Mittel, Instrumente und Maßnahmen Sie auch wählen, sie sind so individuell wie unsere jeweiligen Praxen.
Patientenbindung ist hochindividuell!

Um diese Form der Patientenbindung nicht anstrengend, sondern freudig und mit viel Spaß an der Sache zu gestalten, muss Sie aus der persönlichen Praxisphilosophie entspringen und absolut authentisch sein! Die Praxisphilosophie mit all den dazugehörigen Aspekten ist eine Teamangelegenheit!

AUTHENTIZITÄT ALS ERFOLGSFAKTOR!

Authentisch zu sein als Behandler und sich so auch in der eigenen Praxis einzurichten ist eine der besten Methoden der entspannten Selbstverwirklichung. Um die spezifische Persönlichkeit des Zahnarztes gruppiert sich ein Team, das ihn in all seinen Aufgaben perfekt ergänzt und unterstützt. Um sich diese Mitarbeiterriege entsprechend wählen zu können, muss man sich zunächst über die eigenen Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten klar werden.

Die persönliche Chemie spielt in der Zahnheilkunde eine extrem große Rolle, weil wir den ganzen Tag im Körperkontakt und hautnah mit der Assistentin am Patienten arbeiten. Spannungen, die innerhalb des Teams auftreten, übertragen sich durch diese Nähe sofort auf den Patienten. Dadurch kann die Behandlung tur den Patienten stark beeintrachtigt werden, obwobl die Ursache unter Umstanden gar nicht bei ihm zu suchen ist.

Authentizität beginnt beim Team und endet mit der Praxisphilosophie

Aus diesem Grund ist es von größter Bedeutung, sein persönliches „Dreamteam" in der Praxis zu engagieren, um maximal unterstützt und entlastet zu sein und sich auf die Chefaufgaben, wie die eigentliche Behandlung, konzentrieren zu können.

Wenn man als Zahnarzt zum Beispiel ein genauer und gründlicher Behandler, jedoch ein schlechter Kommunikator ist, empfiehlt sich eine absolut kommunikationsstarke Assistentin am Stuhl, die den Patienten aufklären kann. Auch die Rezeptionistin sollte dann diese Fähigkeiten in Beratungsgesprächen und Diskussionen über Heil- und Kostenpläne sowie Erstattungsmöglichkeiten zielgerichtet einsetzen können.

Oder anders: wenn ein Zahnarzt mit dem Handspiegel Behandlungspläne für 15.000,- Euro an den Mann, respektive den Patienten bringen kann, wird er keine intraorale Kamera benötigen als Argumentationshilfe. Im Fall eines weniger ausgeprägten Kommunikationstalents kann eine Kamera am Stuhl eine sehr gute Informations- und Überzeugungsarbeit leisten.

Ein Team sollte sich aus möglichst unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammensetzen, verschiedene Aufgabenbereiche abzudecken, die jedoch alle mit dem Praxischef und auch untereinander kompatibel sein müssen. Mit dem idealen Team, das sich gegenseitig ergänzt und auf einer gemeinsamen, persönlichen Basis steht, kann dann die Praxisphilosophie festgelegt werden, am besten schriftlich.

 

Fragen zur Praxisphilosophie:

 

Auswirkungen auf das tägliche Arbeiten in der Praxis ergeben sich in der Folge konkret durch praxisspezifische, strukturelle Fragen:

 

Je authentischer wir in der Praxis sind, je mehr wir uns dort outen" im positiven Sinne, desto leichter erreichen wir die Patienten, die wirklich zu uns passen. Unabhängig von der allgemeinen Traumvorstellung des idealen Patienten wie zahlungskräftig, leicht zu behandeln, freundlich und unkompliziert, sowie offen für unsere Therapievorschläge, gib es zahnarztspezifisch hochindividuelle Unterschiede So persönlich wie das Team ist auch die Klientel. Hier macht es einen entscheidenden Unterschied, wie ich mich als Behandler selbst definiere und was meine Lieblingsdisziplinen in der Zahnheilkunde ausmachen.
So individuell wie das Team ist auch die Klientel jeder einzelnen Praxis!

Bei einer Urlaubsvertretung oder im Notdienst ist das unschwer zu erkennen und zu spüren. Hier entscheidet, wie der Zahnarzt in seiner Persönlichkeit strukturiert ist. Endo- und PA-Spezialisten sind andere Typen als Chirurgen, ganzheitliche Zahnärzte haben andere Behandlungsprämissen als der klassische Prothetiker. Es beruht auf einem persönlichen Unterschied, ob ich als Schwerpunkt Kinderbehandlung oder Geriatrie wähle.

Eine konkrete Analyse all dieser Punkte lohnt sich immer! Dies kann selbstständig, mit einem Coach oder Trainer geschehen. Ziel des Projekts ist, ein leichteres, entspannteres Arbeiten mit einer höheren Auslastung und Erfolgsquote zu kombinieren.

Es macht einfach mehr Spaß, keine Überredungskapriolen am Patienten schlagen zu müssen, eine Ieichte Verständigung im Team und mit den Patienten zu pflegen und eine 90-prozentige Realisierung der gestellten Heil- und Kostenpläne zu erreichen.
Ein reibungsloser Praxisablauf und monetärer Erfolg haben Charme!

Sobald man sich von bestimmten äußeren, scheinbaren Zwängen befreit hat, bekommt die Arbeit in der Praxis eine andere Leichtigkeit und einen echten Spaßfaktor. Dazu gehört selbstverständlich auch der finanzielle Erfolg.
Eine erfolgreiche Praxis verleiht Flügel!

Der Weg in die private Zahnheilkunde ist vorgezeichnet, da die Kassen in den nächsten Jahren immer weniger Zuzahlung leisten werden. Eine erfolgreiche Praxis mit viel privater Zuzahlung lässt sich nur auf der Vertrauensbasis einer intensiven Patientenbindung realisieren. Nutzen Sie die Zeichen der Zeit, um sich jetzt auf diese neue Dimension des Patientenumgangs und eine hocheffiziente Logistik einzulassen!

Dr. Martina Obermeyer
Internationale Vorträge und Lehrtätigkeit

1958 Geboren in Straubing
1980-1985 Studium der Zahnheilkunde
1988 Erste eigene Praxis als Mitglied einer Praxisgemeinschaft
1989 Übernahme der väterlichen Praxis in Straubing
1992 Heilpraktiker-Prüfung
1994 Praxisübernahme in Kochel am See
1999 Auszeichnung zahnärztliche Unternehmerin des Jahres in Deutschland
Seit 2000 Leitung Aufwind Consulting GmbH in Schlehdorf
Seit 2006 Privatzahnärztin

Kocheler Straße 1
82444 Schlehdorf am Kochelsee
Seminare und Praxistrainings
info@aufwind.org

GZM - Praxis und Wissenschaft 11. Jg. 4/2006

PASSENDE MITARBEITERINNEN

PASSENDE MITARBEITERINNEN

FINDEN UND BEHALTEN

von Dr. Martina Obermeyer

Ob eine Zahnarztpraxis langfristig erfolgreich ist, hängt von vielen, sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Voraussetzung, um entspannt und effektiv arbeiten zu können, ist ein eingespieltes, engagiertes Team.

Aufgeschlossene, mitdenkende, unterstützende, kurzum: perfekte Mitarbeiterinnen sind der Traum jedes Praxischefs. Nur: Wie findet man sie? Die Antwort ist einfach: Indem man seine Damen gemäß ihren Talenten und Begabungen einsetzt. Jede ist an der richtigen Stelle, liebt ihre Arbeit, betreibt sie engagiert und hat Erfolgserlebnisse, das alles bindet die Mitarbeiterin an Praxis und Team.

Ein langjähriges, gut eingespieltes Team in der Praxis ist der Garant für entspanntes Arbeiten. Insbesondere der Zahnarzt, in der unmittelbaren Nähe am Behandlungsstuhl, profitiert davon. Jeder weiß, wie der andere tickt, was er gut und was weniger gut beherrscht, man verlässt sich aufeinander – das ist die Basis jedes langfristigen Praxiserfolges.

Allerdings ist der persönliche Einsatz des Praxischefs gefordert, denn seine Aufgabe als Führungskraft ist, die Talente der Mitarbeiterinnen zu erkennen, sie entsprechend ihren Begabungen einzusetzen. Ein Team sollte verschiedene Persönlichkeiten vereinen - nicht alle sollen genauso funktionieren wie die Chefs, im Gegenteil. Wenn beispielweise der Zahnarzt sich nicht gerne mit Patienten unterhält, sondern konzentriert bohrt, ist eine kommunikative Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) auf der linken Seite des Stuhls ein wahrer Segen. Ebenso wichtig sind die sogenannten unbequemen Teammitglieder, die Abläufe oder Pläne kritisch hinterfragen und damit neue Ideen implementieren. Zahnmedizinische Fachangestellte mit eigenen Vorschlägen, oft spontan aus der Situation heraus, sind Gold wert.

AUSWIRKUNGEN IN DER TÄGLICHEN PRAXIS

Patienten konfrontieren in der zahnärztlichen Praxis sowohl die Chefs als auch die Mitarbeiterinnen mit vielen Fragen die mit der Zahnbehandlung oft nichts zu tun haben, sie möchten in ihrer Befindlichkeit ernst genommen werden, verzögern und behindern jedoch damit die Behandlung.

Ängste, Unsicherheiten, Nervosität, Atmungsprobleme, Würgereiz und medizinische Krankheitsbilder der Patienten führen zu Schweißausbrüchen, erhöhtem Speichelfluss, Spritzen-Versagen und ähnlichen Symptomen, die uns das Bohren, Kürettieren oder Abformen erschweren. Wie hilfreich ist da eine Assistentin, die den Patienten genau dort abholt, wo er ist; die sich individuell und einfühlsam auf dessen Emotionen einstellt und dem Patienten schon im Sprechzimmer den bevorstehenden Termin psychologisch geschickt näherbringt.

Patienten, die sich gut aufgehoben fühlen, sind entspannt, öffnen den Mund weit, haben einen normalen Speichelfluss und lassen die Prozedur einer zahnārztlichen Behandlung geduldig über sich ergehen. Für die Sprechstunde bedeutet das, dass wir Zahnärzte entspannt und qualitativ hochwertig arbeiten kõnnen und dabei den Zeitrahmen des Termins einhalten - ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Vorteil.
Für die Mitarbeiter-Auswahl gilt: Persönlichkeit bringt man mit, Fachliches lässt sich erlernen.

Wenn Sie eine neue ZFA oder Techniker/ in etc. suchen, nehmen Sie sich bitte Zeit. Für ein Einstellungsinterview sollten Sie gut eine Stunde einkalkulieren, in der Sie Ihr Gegenüber ca. 80 Prozent des Gesprächs bestreiten lassen: In erster Linie möchten Sie etwas von der Bewerberin erfahren, fragen Sie ruhig auch nach privaten Dingen, persönlichen Vorlieben und Erfolgserlebnissen. Teamfähigkeit, Empathie, spontane Handlungsfähigkeit und Anpassung auf neue Bedingungen, darauf sollte es Ihnen bei einer Bewerberin ankommen.

Die Persönlichkeitsaspekte, die Sie im Gespräch entdecken, sind in der Regel weniger veränderbar: Fachwissen dagegen kann in Fortbildungen erworben werden. Voraussetzungen sind natürlich Lernbereitschaft und Engagement der Interessentin, auf beides sollten Sie im Bewerbungsgespräch besonders achten. Erst später schildern Sie kurz Ihre Arbeitsweise, erzählen eventuell etwas Persönliches von sich.

Tipp: Lassen Sie ausgewählte Bewerberinnen probearbeiten, wenigstens zwei Tage lang, und sprechen Sie im Anschluss mit allen Team-Mitgliedern darüber. Gibt es Widerstand von nur einem Team-Mitglied gegen die „Neue“, empfehle ich, sie nicht einzustellen; vorausgesetzt, Ihre bisherige Mannschaft entspricht genau Ihren Wünschen.

SONDERFALL: DIE AUSZUBILDENDE

Bei Auszubildenden, die in der Regel mit 15 bis 20 Jahren anfangen und noch keine ausgeprägte Persönlichkeitsstruktur mitbringen, die sich in einem Eingangsgespräch eindeutig erkennen ließe, stellt sich die Situation schwieriger dar. Hier sind Sie mehr auf Ihr Gefühl angewiesen, um das persönliche Profil der Bewerberin richtig einzuschätzen und ihre Begabungen (jenseits der manuellen Geschicklichkeit) zu erkennen. Die jungen Damen kommen in einem Übergangsbereich ihrer persönlichen Entwicklung zu uns, sie beginnen als Teenager und werden in den drei Ausbildungsjahren zu Erwachsenen.  Wir als Ausbilder haben die Verantwortung, den jungen Frauen einen Ort zu bieten, wo sie - neben dem Erwerb des notwendigen Fachwissens - eine ausbalancierte Persönlichkeit und gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können.

Tipp: Lassen Sie Auszubildende eine Woche lang probearbeiten - zwei oder drei Tage sind oft nicht ausreichend. Es dauert, bis die ersten Schrecken (Umgang mit Blut und anderen anfangs unangenehmen Dingen) überwunden sind und die jungen Damen Freude und Interesse an der zahnärztlichen Tätigkeit entwickeln. Auch hier ist am meisten ausschlaggebend, wie wohl sie sich im Team fühlen.
Eine Patin an die Seite stellen

Für das erste Ausbildungsjahr, auf jeden Fall aber für die ersten Monate, empfiehlt sich eine sogenannte Patin auszusuchen, die die Auszubildende intensiv betreut und ihre erste Ansprechpartnerin in allen Belangen ist. Am besten dafür geeignet ist eine langjährige Kraft, die über alles in der Praxis Bescheid weiß und „die Neue“ Schritt für Schritt an alle Aufgaben heranführen kann. Sie sollte über pädagogisches Geschick und Verständnis für schrittweises Lernen verfügen; zusätzlich ist hilfreich, wenn zwischen Auszubildender und Ansprechpartnerin Sympathie besteht.
Die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr sind die jungen Frauen bereit und interessiert, neben der fachlichen Qualifikation ihre kommunikativen und empathischen Fähigkeiten zu entwickeln. In unserer Praxis hat es sich bewährt, durch gezielte, regelmäfige, externe Schulungen die Personlichkeitsentwicklung der jungen Mitarbeiterinnen zu fördern.

So lernen sie, aus der Praxis für die Praxis schwierige Situationen mit Charme und Humor zu meistern, Teamverständnis aufzubauen und Eigendynamik zu entwickeln. Natürlich muss auch fachliches Detailwissen, Organisation von Arbeitsabläufen sowie die professionelle und einfühlsame Assistena am Stuhl vermittelt werden.

GEWINN FÜR JEDE PRAXIS

Exzellente langjährige Mitarbeiterinnen sind die Basis des Praxiserfolgs. Nichts kostet so viel Geld, Zeit und Nerven wie ein ständiger Mitarbeiterwechsel. Zudem geht immer Wissen für die Praxis verloren, weil nicht alles schriftlich festzuhalten ist, auch nicht im gut gepflegten QM-System. Als Chef schafft man es kaum, die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und deren enge Bindung an die Praxis viele Jahre lang aufrechtzuerhalten. Das Hinzuziehen eines externen Coaches, möglichst aus der Zahnheilkunde, als zusätzlicher Input ist äußerst hilfreich.

NACHWUCHS IST DIE ZUKUNFT

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Auszubildenden, sie sind die Stützen der Zukunft in der Zahnarztpraxis. Es empfiehlt sich daher, den eigenen Nachwuchs gut auszubilden, weil in der Ausbildungsphase eine intensivere Bindung zwischen Zahnarzt/Zahnärztin und Mitarbeiterin aufgebaut werden kann als in späteren Jahren. In diesem Sinne: Delegieren Sie ruhig einige Dinge und genießen Sie jeden Tag Ihr gut eingespieltes Team!

Autorin Dr. Martina Obermeyer

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Systemische Orale Medizin

5. Jahrgang 3/2016